Fußball Landesklasse: ... Zweite sagte ab

LK 3: Spielabsage VfB Germania Halberstadt II –Eintracht Osterwieck

Energie sparen leichtgemacht

Eine Glosse von Bernd Waldow

 

Gewiss, es gab schon Szenarien, wie z.B. in Oldenburg, wo die Kommune beschloss, die Duschen bleiben kalt, ganz egal, ob ein FC Schalke 04 zum DFB-Pokal kommt...

Im Friedensstadion konnte man diesbezüglich nun einen ganz anderen Durchbruch feiern:

Die Duschen blieben nicht nur kalt, es floss auch kein Wasser aus den Duschköpfen. Und auch die Klamotten der Spieler mussten nicht gewaschen werden. Mehr noch, die verpönte Karawane der Benzin- und Dieselkarossen musste sich ebenfalls nicht auf den Weg zum Spielort machen. Man könnte die Aufzählung noch um vieles erweitern, aber geschenkt!

Der gesellschaftspolitische Umweltaspekt ist der große Gewinner!

Der Hintergrund so banal wie lächerlich, aber leider kein Scherz.

Dass beim VfB Germania II die Personaldecke extrem dünn ist, ist hinlänglich bekannt. Viele mutmaßten, noch vor dem ersten Anpfiff der Saison würde man die Mannschaft zurückziehen, nachdem sich das Umland im Sommer fürstlich am Spielermaterial, das der VfB Germania ausgebildet hat, bediente. Doch in Halberstadt hat man sich lange und seriös der Thematik gestellt und beschlossen, den Weg mit einer zweiten Mannschaft auch unter diesen Extrembedingungen weiter zu gehen. Dass es kaum einen festen Kader werde geben können, das war Coach Andreas Amelung und den Verantwortlichen bewusst. Ein enger Austausch zwischen A-Junioren, zweiter und erster Mannschaft sollte helfen, das Dilemma zu überstehen. Dass man das sportlich fair tut, zeigt schon die Tatsache, dass man gegen Langenstein nicht absagte, sondern, weil nur zehn Akteure zur Verfügung standen, dann eben bereitwillig 90 Minuten in Unterzahl agierte. Am Sonnabendmorgen nun eine neue Situation: Ein halbes Dutzend Verletzte und dazu noch einige Kranke, das sprengt dann doch den Rahmen, denn gegen den Tabellenführer mit sechs oder sieben Spielern aufzudribbeln, macht im Sinne des Wettbewerbs und der sportlichen Gleichstellung keinen Sinn. Es erging also folgerichtig die Anfrage an Eintracht Osterwieck bezüglich einer Spielverlegung. Dieses Ansinnen wies jedoch der SVE zurück. Um nicht falsch verstanden zu werden: Es ist völlig regelkonform und daher legitim und auch nachvollziehbar, diesen Schritt zu gehen. Selbst als Tabellenführer bekommst du drei Punkte, selbst auf dem Silbertablett, nicht einfacher serviert, als am grünen Tisch wegen „Nichtantritt Heim“ Unverständlich ist eher die

(nein, ich nenne sie nicht bescheuert und undurchdacht – das wäre respektlos), ich nenne sie höflich mal „unglückliche Spielordnung“, die da zugrunde liegt und Jugend- und Erwachsenenspielrecht gnadenlos in einen Topf wirft. Heißt, wer im Altersbereich der A-Junioren einfach nur ein bisschen kicken will, hat gar keine andere Wahl, als Landesliga zu spielen, das ist die niedrigste Einstufung, weil es keinen Kreismaßstab gibt. Damit einher geht dann aber die „Bestrafung“, dass diejenigen formal höherklassig spielen, als eine Herren-Landesklasse. Das Prozedere kann man anfangs der Saison noch auffangen, nicht aber, wenn sich die Spieler in ihren Teams „festgespielt“ haben. Die Stimmen wurden schnell laut, die gefordert haben, man müsse sich in einem so großen Verein, wie es der VfB Germania ist, dann eben mal gegenseitig helfen, nur ist das aufgrund der Vorschriften eben leichter gesagt, als getan. So blieb „Ami´s Wundertüte“ diesmal leer. Mag schon sein, dass der eine oder andere hätte spielen können, aber nicht wollte, das müssen die Trainer dann die nächsten Tage aufarbeiten. Fakt ist aber, es gab Bereitwillige, die sich gerne in der LK 3 präsentiert hätten, mancher empfindet die Berufung ja auch als eine Auszeichnung, aber dann kommt das Regelwerk...

Vielleicht hätte man auch mit „voller Kapelle“ spielen sollen, im Sinne der Zuschauer, die sich auf diese Begegnung gefreut hatten, es gibt ja noch Spieler, die seit Wochen (!) auf die „Freischaltung“ ihrer Spielerlaubnis warten, dazu einen satten Überhang aus der „Ersten“ – der dann wahrscheinlich erfolgte Protest hätte im Zweifel auch nur zu dem selben Ergebnis geführt, das die Sportgerichtsbarkeit in solchen Fällen vorsieht...