Fußball Oberliga: ... Erste siegt beim FCM

Auswärtssieg im Spitzenspiel bringt Tuchfühlung zur Tabellenspitze

NOFV-OL Süd:  1.FC Magdeburg U23 – VfB Germania Halberstadt  0:2  (0:0)

(von Bernd Waldow)

Die Verwendung von Superlativen sollte man mit Bedacht wählen, sie inflationär zu benutzen, wird ihrem eigentlichen Zweck nicht gerecht. Eine genaue Definition für den Begriff „Weltklasse“ zu finden, ist schwierig, von einer Leistung, die sich über längere Zeit von der anderer abhebt, ist da beispielsweise die Rede. Und hier kommt Lukas Cichos ins Spiel, ob er eine „Weltklasse-Leistung“ gezeigt hat, sei dahin gestellt, im Umkehrschluss aber ist klar, dass kein Torwart der Welt fehlerfreier hätte halten können, als der Kapitän unserer Mannschaft in diesem Spiel – herausragend!

Auf der „Wiese“ neben der MDCC-Arena hatte der Gastgeber zunächst die Vorteile auf seiner Seite. Lirim Hoxha nach 5 Minuten, rechts am Ziel vorbei, Lirim Hoxha nach 10 Minuten, sträflich frei, dieses Mal aus allerbester Position allein vor Lukas Cichos, der glänzend parierte, Leon Heynke nach 12 Minuten im Anschluss an einen Freistoß oder in der 18. Minute, als nach einem Konter Elisio Widmann allein vor Cichos abschließen konnte, aber ebenso an der überragenden Parade des Schlussmannes der Halberstädter scheiterte, sie hätten das Spiel früh vorentscheiden können, denn bis zur Hälfte des ersten Durchgangs konnten die Halberstädter kaum Fuß fassen. Nahezu aus dem berühmten Nichts dann das erste Achtungszeichen der Gäste, als Nick Poser eine scharfe Flanke nach innen brachte, die beim Klärungsversuch fast zum Eigentor der Landeshauptstädter geführt hätte. Weniger Aufregung brachte ein Freistoß von Pascal Hackethal (31.), der aus der Distanz zur sicheren Beute von Keeper Robert Kampa wurde. Dann setzte sich Vinicius Sandri Kuffner energisch im Strafraum durch, bekam aber heftige Gegenwehr, so dass sein Abschluss mit zu wenig Druck aufs Tor rollte (34.) – damit sind die Chancen der Halberstädter im ersten Durchgang praktisch vollständig aufgelistet. Pause – Vorteil FCM – Spielstand 0:0.

 

Nach dem Wechsel stellte Manuel Rost sein Team um, was sofort Früchte trug, denn erstaunlicherweise hatten die Landeshauptstädter keinen „Plan B“, was bedeutete, dass sie ihr gleich angelegtes Spiel nicht mehr so Erfolg versprechend aufziehen konnten, weil der VfB Germania desöfteren die Räume eng machte und Bälle erobern konnte. So blieb es bei dem, was dennoch durchkam, eher bei Einzelaktionen. So auch in der 60. Minute, als Widmann sich im Strafraum der Halberstädter zunächst durchsetzte, dann aber regelwidrig zu Fall gebracht wurde. Den fälligen Elfmeter legte sich Julius Pfennig zurecht, schoss nach rechts unten, doch Lukas Cichos tauchte blitzschnell ins bedrohte Eck und sicherte die Kugel im großen Stil. Nach dieser Szene hatten die Halberstädter endgültig Oberwasser, beherrschten die Defensive und warteten geduldig auf die Möglichkeiten, eigene Chancen zu erarbeiten. In der 65. Minute war es soweit: Nick Poser eroberte rechts den Ball, den er irgendwie zu Denis Vukancic am Strafraumeck durchsteckte, dieser löffelte gedankenschnell das Spielgerät nach innen, wo Corvin Kosak in der Zenrale sehenswert und unhaltbar zum 0:1 einköpfte. Noch immer blieb der FCM seiner Spielanlage treu, hatte nicht die Qualität, auf die neue Situation zu reagieren. Stattdessen wurden die Verbalattacken aus der Coaching-Zone und die Attacken auf dem Platz heftiger. Timo Birk, in der ersten Hälfte bereits verwarnt, übertrieb es mit einem groben Foul (70.) und sah die Ampelkarte. Der schon oft beobachtete Effekt, dass ein Team zu zehnt plötzlich kämpferisch stärker und damit erfolgreicher wird, er fruchtete hier nicht. Ganz im Gegenteil. Der VfB Germania fightete, was das Zeug hielt, um diesen so wichtigen „schmutzigen Sieg“ – und wurde belohnt. Corvin Kosak hätte dabei nochmal knipsen können (74.), fein von Denis Neumann bedient, wurde sein Schuss jedoch in höchster Not zur Ecke geblockt. Einmal noch kam der FCM gefährlich vor das Tor der Vorharzer (78.), am ersten Pfosten brachte Firas Romdhane die Murmel allerdings nicht unter Kontrolle und verstolperte. Die eine oder andere hohe Flanke blieb dagegen für Lukas Cichos, der über die volle Distanz absolut souverän die Lufthoheit in seinem Sechzehner behielt. Dann machte Nick Poser den „Deckel drauf“ (81.), etwas skurill, denn Vinicius Sandri Kuffner wollte eigentlich Corvin Kosak bedienen, der aber die Kugel mehr oder weniger unfreiwillig durchrutschen ließ, doch Nick Poser hinter ihm  „roch den Braten“ und versenkte das Spielgerät zum 0:2-Endstand. Ein frustrierter FCM wechselte in der Schlussphase noch dreifach, blieb aber weierhin ideenlos, während der VfB Germania die restlichen Minuten kontrollierte und am Ende einen nicht unbedingt erwarteten Sieg in der Landeshauptstadt holte, der ihn nunmehr bis auf zwei Punkte an die Tabellenspitze heran brachte. Auf schwierigen Platzvrhältnissen kann man den Halberstädtern nur eine reife Leistung bescheinigen, angeführt von seinem Kapitän, dessen Arbeitsnachweis aus dem höchsten Regal kam, die Mannschaft lange Zeit im Spiel hielt, zeigte der VfB Germania tolle kämpferische Qualität und eine beeindruckende Effektivität. Oder, wie es in der Vorwoche hieß, erneut ein sehr „erwachsenes Spiel“ – Gratulation!