Erstes Vorbereitungsspiel ein XXL-Härtetest
Chemnitzer FC – VfB Germania Halberstadt 5:0 (2:0)
(von Bernd Waldow)
Bei der Jagd nach Punkten zählt am Ende nur das Ergebnis. Insbesondere bei den Testspielen lohnt sich aber der Blick auf Eventualitäten, ein wenn, hätte, wäre... spielt hier bei der Betrachtung durchaus eine Rolle. Dass der CFC, höherklassig mit Profistrukturen von der Mannschaft, den Gremien bis zum Gehaltsgefüge, schwerlich zu bezwingen sein würde, war vorher klar. Doch wie würde sich der VfB Germania gegen diesen „Riesen“ stemmen? Austragungsort war das ferne Limbach-Oberfrohna, der FSV als überaus herzlicher Gastgeber in jeder Beziehung. Obwohl idyllisch gelegen und „Waldstadion“ genannt, fand man in unmittelbarer Nähe des Spielfeldes keinen Schattenspender. Eine Hitzeschlacht also, die dann auch noch über zweimal 60 Minuten andauern sollte, so hatten es Manuel Rost und sein Pendant auf CFC-Seite, Ex-HBS-Coach Benjamin Duda, vereinbart. Erfreulich zunächst die Rückkehr von Lukas Cichos ins Tor der Germanen, mit mehreren spektakulären Aktionen stark und ruhig, wie eh und je, der Kapitän zeigte keine Spur einer fünfmonatigen Verletzungspause. Insgesamt sah sich der VfB Germania natürlich einer spielerischen Überlegenheit des CFC gegenüber, aber das Defensiv-Verhalten war bereits jetzt, so kurz nach Trainingsauftakt, durchaus ansehenswert. Gegen den Ball klappte vieles sehr ordentlich, gab es eine klare Struktur und Sicherheit, die es den Chemnitzern oft schwer machte, für Gefahr zu sorgen. Konditionell stellten sich die Halberstädter absolut ebenbürtig dar. Nuancen wurden zum Zünglein an der Waage. So in der 19. Minute, als nach schnellem und präzisem Umschalspiel des CFC, Domenico Alberico zentral allein auf Cichos zusteuern konnte (leicht abseitsverdächtig) und mit einem sehenswerten Abschluss ins linke obere Eck die Führung erzielte. Zuvor hatte Halberstadts Nummer 1 bereits einmal glänzend reagiert (2.), war auf der anderen Seite ein schöner Zug über Marcel Kohn, Silvio Rust und Davis Boateng durch das Signal des Assistenten in aussichtsreicher Position gestoppt worden. Die Startelf des VfB Germania hielt über weite Strecken durchaus auf Augenhöhe mit, allerdings vorwiegend defensiv. Kohn lag waagerecht in der Luft (49.) und klärte spektakulär eine Rechtsflanke des CFC, dann brachte ein Einwurf von Pascal Hackethal über Umwege Gefahr, als Philipp Heller an die Kugel kam und aus 20 Metern knapp links vorbei zielte. Ärgerlich das 2:0 (58.) kurz vor der Halbzeit. Hier konnte Dustin Arnold seinen Gegenspieler nicht stoppen, die Eingabe nicht konsequent geklärt, Niclas Erlbeck fand aus 10 Metern die Lücke und traf flach links unten.
Nach dem Wechsel gleich so ein Moment des Haderns, eigentlich war die Situation doch schon geklärt, denn Fabian Guderitz hatte den Ball aus der Luft scheinbar sicher abgefangen, doch dann ein Lapsus und die Kugel lag zur allgemeinen Überraschung doch noch im Tor. 3:0, ein individueller Fehler, den man der Mannschaft eigentlich nicht anhaften kann. Auf der anderen Seite ein Angriffszug des VfB Germania zunächst geblockt, dann aber Jano Conrad mit aller Überzeugung und Wucht aufs Tor (71.), so dass Keeper Daniel Adamczyk erst im wiederholten Nachfassen zur Ecke klären konnte. Aus dem berühmten „Nichts“ das 4:0, als ein eigentlich harmloser Freistoß aus mehr als dreißig Metern Guderitz überraschte, der den Flachschuss im richtigen Eck liegend, passieren ließ.
Gegen Mauriuo Grimaldi wehrte Guderitz dann stark ab (87.) und auch in der 108. und 112. Minute war der HBS-Keeper der zweiten sechzig Minuten glanzvoll zur Stelle. Machtlos allerdings, als ein abgefälschter Schuss aus Nahdistanz oben im kurzen Eck einschlug (117.) und das Ergebnis auf 5:0 schraubte. War Julien Hubers Schuss aufs kurze Eck (90./gehalten) schon einer schönen Kombination entsprungen, so hatte Joel Klaschka (120.) nach Hackethal-Einwurf in den Lauf die beste HBS-Chance, entschied sich für den Schuss hoch aufs kurze Eck, den der Keeper mit starkem Reflex entschärfte. Ob eine Ablage auf Leon Platz in der Mitte möglich gewesen wäre, bleibt Spekulation. Rechnet man 120 Minuten durch und zieht die zwei unglücklichen Tore ab, so bliebe ein achtbares 0:3 „standesgemäß“. Viele gute Erkenntnisse bleiben, auch die, dass vor allem das Umschaltspiel nach vorn verbessert werden muss. Der CFC hatte in der Handlungsschnelligkeit und Robustheit klare Vorteile, wirkte nach zwei Wochen mehr „im Saft“ natürlich eingespielter. Dass der „zweite Anzug“ noch viel Lernarbeit vor sich hat, ist indes keine Überraschung. Diese Jungs mit Bedacht heran zu führen, daran wird zu arbeiten sein, für mehr Qualität in der Breite.
