Fußball Oberliga: ... Zwei Spiele - viel Einsatzzeit

Zweimal remis – Standortbestimmung dennoch verschieden

(von Bernd Waldow)

 

18. Juli: SV Westerhausen – VfB Germania Halberstadt 2:2 (2:1)

Auf der gepflegten Anlage am Wolfsberg ließ Manuel Rost seine „erste Sieben“ pausieren, lediglich Paul Grzega, als Kapitän, sollte als erfahrener Haudegen die junge Garde führen und organisieren. Wie eigentlich immer in den Jahren zuvor, zeigte sich der Gastgeber als hoch motiviert, engagiert und einsatzfreudig. Das war zu erwarten, stellte aber für einige der jüngeren und unerfahrenen Kicker im Germania-Dress eine hohe Hürde dar. Das Zweikampfverhalten eher zögerlich, die einstudierten Abläufe im Stellungsspiel und Spielaufbau zu oft noch nicht verinnerlicht. So sah der SVW auch in diesem Jahr gut aus, gegen diese Halberstädter Mannschaft, die manches ungenutzt ließ, was der Gastgeber trotzdem den Kreisstädtern anbot. Ein weiteres Problem des VfB Germania an diesem Freitagabend:  Stille. Eine zu flache Hierarchie? Mangelndes Selbstbewusstsein? Da war lediglich Paul König im Tor einer, der zumindest ab und an seine Vorderleute verbal zu erreichen versuchte. Oberhalb des höchst durchschnittlichen Niveaus agierte auf dem Feld erkennbar Davis Boateng, der höchsten Einsatz mitbrachte und auch Szenen richtig antizipierte. So lief er in der 6. Minute in einen Diagonalball, wurde dabei vom SVW-Keeper Julian Nebe umgerissen und holte so einen Elfmeter heraus. Paul Grzega trat an und schoss nach links, dorthin sprang auch Nebe und klärte, machte seinen Fehler so wieder wett.

Derart gepusht, präsentierte sich der Gastgeber in der Folge mutig und entschlossen, hatte einige ordentliche Szenen. Paul König hatte einiges zu tun, blieb aber meistens Herr der Situation. Nach gut einer halben Stunde brachte ein Pressschlag den Ball tief in die verwaiste Halberstädter Hälfte, Ayumo Masaka jagte dem Spielgerät nach und schloss seinen Alleingang überlegt mit dem 1:0 ab (32.), zu diesem Zeitpunkt völlig verdient.

Drei Zeigerumdrehungen später verhinderte König stark das zweite Gegentor, indem er einen Flachpass unterband, während sein Gegenüber dann erstmals einen Ball aus dem Spiel heruas gut klärte (38.), Leon Wiedenbein hatte aufs kurze Eck abgeschlossen.

Einer der wenigen vollständig ausgespielten Angriffe des VfBG wurde dann von Julien Huber ins Netz gedrückt, hier kam die Flagge von Celina Merkelbach, der Ball beim Zuspiel wohl bereits im Toraus... Kurz zuvor war Boateng erneut in guter Position, agierte aber zu hektisch, so versprang ihm der Ball, der keine Gefahr mehr darstellte.

Besser machte es auf der anderen Seite erneut Masaka (42.), der die Halberstädter Abwehr wie Slalomstangen umkurvte und final platziert einschob, König beim 2:0 erneut ohne Chance. Dass Boateng dieses Spiel auch beherrscht, zeigte er in der nächsten Szene, ließ die Verteidiger des SVW stehen, umkurvte Keeper Nebe und schoss dann ins leere Tor zum 2:1-Halbzeitstand – die bis dahin beste Aktion des VfB Germania.

Nach dem Wechsel (jetzt mit Joel Klaschka für Davis Boateng), sah der VfB Germania nur phasenweise besser aus, hatte vor allem Paul König großen Anteil daran, dass hier nicht schon frühzeitig die Zeichen auf Heimsieg gestellt wurden. Eine große Parade gegen einen Masaka-Schuss (51.), eine Faustabwehr im Gewühl des Strafraumes (52.), Eine Parade gegen einen platzierten Schuss von Pranav Kale (59.) eine Fußabwehr im eins gegen eins, erneut gegen Kale (62.) – König hielt seine Mannschaft im Spiel. Fabio Ertmer kam dann für Paul Grzega ins Spiel und allmählich besannen sich die Halberstädter. Leon Platz schoss neben das Tor (60.), Nebe unterband ein Zuspiel auf Jano Conrad, der einschussbereit gewesen wäre (73.) nach zuvor guter Kombination über Klaschka und Platz. Wiedenbein setzte Klaschka ein, der zumindest mal aufs Tor schoss (gehalten/86.), dann einen Freistoß vom linken Strafraumeck auf die kurze Ecke hämmerte, den Nebe gerade noch zur Ecke ablenken konnte (87.), die dann aber, getreten von Klaschka, zum Ausgleich führte (88.), als am ersten Pfosten Mateo Martinez hoch stieg und unhaltbar einköpfte. Im nächsten und letzten Angriff war Klaschka nochmals in guter Schussposition über die rechte Seite, verzog seinen Abschluss aber knapp, so dass es beim 2:2 blieb. Ein möglicher Siegtreffer in dieser Szene blieb liegen, wäre aber auch nur Augenwischerei gewesen, nicht wirklich verdient.

Manuel Rost und sein gegenüber, André Dzial, hatten sich jedenfalls stimmlich nach diesem Spiel völlig verausgabt, zuviel mussten sie von außen immer wieder korrigieren.

 

19. Juli: VfB Germania Halberstadt – VfL Wolfsburg U19  0:0

Jetzt mit „voller Kapelle“ auf dem Hauptplatz des Friedensstadions, hatte die Mannschaft von Manuel Rost einiges an Arbeit zu leisten. Die Nachwuchs-Bundesliga-Kicker zeigten über die volle Distanz guten und kombinationssicheren Fußball, forderten die Halberstädter ordentlich. Doch diese Mannschaft agierte auf ebenfalls ansehnlichem Niveau, ging über die Müdigkeit der Trainingswoche und zeigte sich gut organisiert. Kapitän Lukas Cichos und Abwehrchef Marcel Kohn gaben denn auch verbal auf dem Spielfeld deutlich den Takt an.

Wieder war Davis Boateng der erste Akteur, der auf sich aufmerksam machte, seinen Schuss nach Sprint auf die kurze Ecke (8.) hielt Keeper Jakub Zielinski jedoch sicher. Der VfB Germania eroberte sich diszipliniert immer mehr die Spielkontrolle, ließ vor allen Dingen kaum etwas zu. Mit etwas Glück hätte Joel Klaschka (22.) ein Traumtor erzielt, zog kurz vor dem linken Strafraum-Eck ab, doch die Kugel segelte hauchdünn über den rechten Giebel.

Lukas Cichos nur einmal gefordert, hielt souverän gegen Darwin Soylu (26.), der einen Freistoß trat. Zwischen Trinkpause (27.) und Halbzeitpfiff spielte sich vieles zwischen den Strafräumen ab, wurde in der intensiven Partie kein Meter Boden kampflos preisgegeben,so dass die Zuschauer - trotz weniger Torchancen – ein kurzweiliges und spannendes Spiel erlebten, in dem es zuweilen sogar Szenenapplaus gab.

Anfangs der zweiten Halbzeit fand Pascal Hackethal mit einem Einwurf den Kopf von Paul Grzega (51.), der gut platziert abschloss, aber Pech hatte, dass ein Abwehrbein noch vor der möglichen Führung zur Ecke abfälschte. Nach sehenswerter Kobination wurde dann Philipp Heller halb links klasse frei gespielt und hatte dann nur noch den freien Weg zum Tor vor sich (53.), wurde jedoch zurück gepfiffen, leider eine falsche Wahrnehmung, das war einfach nur perfekt gespielt... Auch Wolfsburg zeigte sich offensiv, mehr als zwei Ecken ohne Ertrag kamen jedoch zunächst nicht dabei heraus, denn der Abwehrverbund der Platzherren immer noch hoch konzentriert. Ein Konter in Überzahl über rechts brachte den Gästen dann eine edle Chance (56.), doch Karlo Simic schoss am linken Pfosten vorbei. Nach schönem Flügellauf über die rechte Seite wollte Paul Grzega Pascal Hackethal bedienen (60.), doch die Flanke geriet einen Tick zu hoch. Anschließend leisteten beide Mannschaften wieder viel Arbeit im mittleren Drittel des Platzes, kam es kaum noch zu nennenswerten Torannäherungen. In der Schlussphase brandete der Applaus von der Tribüne jedoch noch zweimal für die Heimelf auf: Da war ein Freistoß aus 22 Metern, den Edhem Hujdurovic nur um Zentimeter am linken Pfosten vorbei schoss und dann feierten die Zuschauer Philipp Heller, der sich mit einer geschickten Körpertäuschung rechts im Strafraum durchsetzte und mit einem Flachschuss den Keeper bereits passiert hatte, doch auch hier rollte die Kugel haarscharf an der linken Torstange vorbei. So blieb es beim torlosen Unentschieden, das von den Rängen nach Abpfiff allerdings sehr berechtigt mit Applaus bedacht wurde. Der VfB Germania erneut mit einem Remis, qualitativ jedoch auf einem Niveau, das dem des Vortages hoch überlegen war.

Beide Tests dürften demnach jede Menge Aufschluss über den aktuellen Stand der Dinge geben. Die Erkenntnis, das noch viel Arbeit erledigt werden muss, kommt dabei jedoch nicht überraschend. Eine Standortbestimmung waren diese Tests allemal, auch für jeden einzelnen Spieler. Es gilt jetzt, daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, dann kann man optimistisch in die neue Saison starten.