Fußball: ... 125 Jahre ... läuft

(tw) Seit Gestern Nachmittag läuft  das Programm zur

125-Jahr Feier der Fußballer.

Dabei bestritten unsere aktuellen Oberligakicker ihr letztes Vorbereitungsspiel gegen die Zweite von Eintracht Braunschweig. Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte, dominierten die Gäste in der zweiten Halbzeit deutlich und gingen verdient mit 3:1 als Sieger vom Platz. Für die zweihundert Zuschauer bleibt, neben einem ansehnlichen Fußballspiel, auch die bewehrte Künstler Erkenntnis, "verkorkste Generalprobe führt zu einer gelungenen Premiere".

Die neue Saison kann also starten, wir sind bereit.

 

Zum Jubiläumswochenende wurde auch die kleine Ausstellung in der Vereinsgaststätte im Friedensstadion eröffnet. Später werden die Exponate im Halberstädter Schraube-Museum zusehen sein.

 

Einige Weg Begleiter sendeten im Vorfeld Grußworte zum Thema "125 Jahre Fußball in Halberstadt":

 

 

Liebe Sportkameradinnen und Sportkameraden des VfB Germania Halberstadt e.V.,

 

ich gratuliere auch im Namen des Kreisfachverbandes Harz im Fußballverband Sachsen-Anhalt e.V. sehr herzlich zum 125-jährigen Jubiläum.

 

Es ist eine große Freude für mich, dass der Verein zu seiner vollständigen Geschichte zurückgefunden hat. Schließlich war es am 02. September, dem Sedantag 1900, dem Tag der allgemeinen Schul- und Volksfeste, als eine aus hiesigen Lehrern zusammengestellte Elf gegen eine als Solchen aus Aschersleben ein Fußballspiel austrug. Dies war der Anlass für eine Schar Halberstädter Jungen, einen eigenständigen Fußballclub, den FC Germania 1900 ins Leben zu rufen.“ Es war der Auftakt einer mittlerweile 125 jährigen Geschichte des Halberstädter Fußballsports. Dabei hat der Verein seit seiner Gründung wechselhafte Zeiten erlebt.

Mein aufrichtiger Dank gilt an dieser Stelle den Verantwortlichen, die den Verein in seiner jetzt 125-jährigen Geschichte umsichtig geleitet haben, allen Trainern und Übungsleitern, die für die sportlichen Erfolge verantwortlich zeichnen, allen Sportlerinnen und Sportlern sowie all denen, die sich in den vergangenen 125 Jahren uneigennützig in den Dienst des Vereins gestellt haben. Viele herausragende Persönlichkeiten haben den Verein geprägt bzw. prägen ihn auch heute.

 

Umso mehr ist es gelebte Tradition, wenn eben diese Persönlichkeiten bzw. Legenden dem Verein treu bleiben und im bevorstehenden Legendenspiel noch einmal ihr Können unter Beweis stellen werden. Ich wünsche allen Sportlern und Gästen viele Spaß dabei.

 

 

Detlef Rutzen

Präsident des Kreisfachverbandes Harz

 

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Hallo Freunde des runden Leders und geschichtlich Interessierte!

Niemandem von uns ist es vergönnt, auf selbst erlebte 125 Jahre zurückzuschauen. Klar, wenn man mancherorts am Spielfeldrand lauscht, da kommt man an dem Gedanken nicht vorbei, dass da einige selbsternannte Experten mindestens schon 150 Jahre alt sein müssten, soviel wissen sie besser, da sind selbst Informationen sinnlos... Für alle anderen gilt, es ist eine coole Sache, wenn sich jemand mal dahinterklemmt, um noch vorhandene Fakten zusammen zu tragen. Die Geschichte unseres Vereins ist ja tatsächlich auch sehr interessant.

 

Von „oben“ auferlegte Namensänderungen (vom FC zum SC Germania z.B.) oder selbst gewählte Namen , wie unseren heutigen, der die Gründungsströme Fußball, seit 1900, sowie Breitensport, seit 1949, optimal verbindet. Nur gut, dass stets jemand darauf geachtet hat, dass die Namenswechsel in Rechtsnachfolge verbrieft sind, so dass es eben nachweislich 125 Jahre sind, seit unser Verein aus der Taufe gehoben wurde. Diese gefundenen historischen Dokumente und Utensilien von einst nun einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist eine weitere sehr lobenswerte Idee. Erstaunlich vieles wurde aufgespürt, darin zu stöbern oder aus der Distanz zu staunen, dürfte sich lohnen. Danke also an die vielen Helfer, die die Exponate zusammengetragen haben. Danke auch an das städtische Museum, dessen Leitung (Fr. Dr. Gornig) diese Ausstellung in der Gesamtheit für gut ein halbes Jahr im Schraube-Museum in der Voigtei platziert. Damit sind all die Mühen, alles zusammen zu tragen, jeden Einsatz wert gewesen. Hier im Friedensstadion können wir natürlich nur einen Auszug anbieten, „anfüttern“ sozusagen. Aber es gibt hier ja auch noch viel mehr zu erleben, das „Legenden-Spiel“ z.B.. Ein überaus positives Feedback gab es seitens aller, die angesprochen wurden. Manchen hätte man gerne noch obendrein eingeladen, doch der eine oder andere war in der verfügbaren Zeit einfach nicht aufzuspüren. Dennoch, wer und was sich an diesem Wochenende hier im Friedensstadion zeigt, ist schon fast sensationell. Nicht alle, die unserem Ruf gefolgt sind, werden auf dem Platz stehen können, doch darum geht es auch nicht vordergründig. Lebendige Geschichte erleben, das geht auch auf der Tribüne und im festlich gestalteten Biergarten in sicher unzähligen interessanten Gesprächen. Legenden treffen, ist das Motto.

 

Im „Spiel der Legenden“ steht übrigens auch eine echte Legende am Spielfeldrand. Das hat sie sogar schriftlich: Sabine Wiedemann wird als Physio zurückkehren und die Spieler beider Teams betreuen. Ganz offiziell wurde ihr vom Verein vor zehn Jahren der Titel „Germania-Legende“ verliehen, nach damals 38 Jahren Arbeit für unseren Verein. Na klar, da freue auch ich mich auf ein Wiedersehen mit ihr und vielen anderen Ehemaligen, deren Namen ich gerne mal wieder über das Stadionmikrofon ansagen werde. Allen ein Wochenende zum Zungeschnalzen!

 

 

Euer Bernd Waldow

 

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Von der Vision zur Realität

Da saßen wir nun, abgestraft und niedergeschlagen nach einer 0:4 Niederlage am 2. Spieltag der Saison 24/25, gegen den VfL Halle. Wie immer herrschten auf den vordersten Plätzen des Mannschaftbusses – um Personen wie Rost, Grüttner, Waldow und Niehs - rege Gespräche und Debatten zum Spielverlauf und „wie das Alles nur passieren konnte“. Es war keine Niederlage wie jede andere, von der man meinen könnte, sie wäre eine derer gewesen, von denen Mann in der vorjährigen Regionalliga-Abstiegs-Saison nur zu genüge heimgesucht wurde. Es war eine tiefe Schaffenskrise, die dort an diesem Tag aufbrach. Diese Niederlage brachte etwas ins Rollen, eine Erkenntnis, die viele von uns schon lange – mehr oder weniger – insgeheim in sich trugen. Die glorreichen Tage voller Tatendrang, Enthusiasmus und mehrheitlich positiver Schlagzeilen, sie waren schon länger Geschichte und fanden nicht erst Einhalt mit der mehr oder weniger unbedeutenden Niederlage beim VfL Halle, oder dem erneuten Regionalligaabstieg. Und wenn wir ehrlich sind und genau hinschauen, dann waren „die besten Jahre“ nicht an der Viertklassigkeit oder DFB-Pokal-Teilnahmen gebunden, sondern an beispielsweise Verbandsliga- oder Oberligaspiele, die im Schnitt fast 1000 Zuschauer hatten, wo Kinder die Hänge runterrollten, Mutti viele Bekannte traf und Papa mit seinen Fußball-Jungs ein Bier trank und die noch aktiven Germanen auf dem Platz zum Sieg schrie. Jene Zeiten, wo es ein funktionierendes Vereinsheim gab, in der Spieler und Fans gemeinsam Siege feierten, tranken und speisten, wo Karten gekloppt und zahlreiche Versammlungen abgehalten wurden. Und nun? Keine Vereinskneipe mehr, keine Bilder mehr an den Wänden, die alte Geschichten erzählten und Pokale in den Vitrinen die von den Erfolgen ehemaliger Germanen berichteten.  „Was war nur passiert?“ fragte ich mich immer und immer wieder. Wo waren sie nur Alle hin, die Zuschauer, Ehemaligen, Ehrenamtlichen und Fanatiker? Wahrhaftig tiefe Trauer sowie Zweifel machten sich breit. Hatten wir unsere Identität für eine möglichst hohe Spielklasse aufgegeben? Hat der Wille nach wirtschaftlichem Erfolg unsere ehemals so stolze und geschichtsträchtige Identität aufgefressen? Oder lässt es sich doch noch retten und verbinden (?): moderner – unter anderem – wirtschaftsorientierter Fußball und eine geschichtsträchtige Vereinsidentität die Menschen einen Lebenssinn und eine Heimat bietet. Dieser Gedanke klang zu dem Zeitpunkt der Niederlage so motivierend, dass daraus eine Vision wurde. Auf einmal hieß es nicht mehr Resignation, genug der Untergangsstimmung und des Grams, in dem man es sich nur allzu oft bequem machte – Meckern macht nämlich gelegentlich auch Spaß.

Die Konsequenz dieser Vision war die Gründung des Facharbeitskreis „VEREINsLEBEN“. Ein Zusammenschluss von vorerst sieben Fußball-Kumpels schrieb sich nun auf die Agenda, dem Gesamtverein wieder mehr Identität und Leben einzuhauchen. Dieser Facharbeitskreis fungierte   von Anfang an als Ideenschmiede und eine Art geistige Kreativwerkstatt. Schnell wurden die ersten konzeptionellen Bemühungen angestrebt, um noch im Jahr 2024 ein erstes Event auf die Beine zu stellen. Dies gelang schlussendlich mit dem 1. Germanen-Weihnachtsmarkt der Geschichte, an dem in der Organisation und Umsetzung nahezu alle Sparten des Vereins an einen Tisch geholt werden konnten - ein voller Erfolg! Das zweite große Projekt des Facharbeitskreis hieß „125 Jahre Fußball in Halberstadt“, eben jener Grund, warum Sie heute dieses Heft lesen können. Und auch diesmal konnten verschiedenste Personen und Interessenkreise – vornehmlich aus der Sparte Fußball – an einen Tisch gebracht werden, um Ideen zu sammeln, Abläufe festzulegen und an der Umsetzung zu feilen.

Germanen-Weihnachtsmarkt sowie Jubiläumswochenende mit Dauerausstellungseröffnung zur Geschichte, Mannschaftspräsentation, Legendenspiel und Sommerfestabend, all dies wäre möglicherweise nie eingetreten, wenn uns der VfL am 11.08.2024 nicht 4:0 weggefegt hätte. Von daher: Danke an den VfL nach Halle!

Und nun lasst uns ALLE gemeinsam anpacken und ein Germania Halberstadt entwickeln, wo Tradition und Moderne verbunden werden, wo leistungsorientierter Sport und Menschlichkeit zwei Werte sind, die zusammengehören und wo mit Stolz in der Stadt gesagt werden kann, dass man am Wochenende zum VfB ins Stadion geht.

Wer wagt, macht Fehler, doch nur diejenigen die wagen erreichen Fortschritt.
Ohne Fehler – kein Fortschritt.

 

 

Paul Niehs
(Vorsitzender FAK „VEREINsLEBEN“) 

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125 Jahre Fußball in Halberstadt – was für ein Ereignis…

Wir sind genauso alt wie unser Dachverband - der DFB. Für mich persönlich ist es eine große Freude, ein kleiner Teil des Halberstädter Fußballs sein zu dürfen. Als mich 1988 Manfred (Puffer) Bergfeld zur BSG Lok ins Friedensstadion führte, durfte ich gleich mit meinen Mannschaftskameraden der (A-) „Junioren“ den Bezirksmeistertitel feiern. Gleichzeitig wurde mir als junger Trainer mit DDR-Übungsleiter-Lizenz die Verantwortung für die (B-) „Jugend“ übertragen. Von diesem Moment an durfte ich alle Fassetten des Fußballs erleben. Auch wenn sich der Vereinsname änderte, von der BSG Lok über den VfB Halberstadt, dem traditionsreichen FC Germania, bis hin zu der Zusammenführung und dem aktuellen VfB Germania, blieb doch die legendäre Spielstädte bestehen. Das Friedensstadion durchlief eine ähnliche Entwicklung. Vom weiten Rund des Hauptplatzes mit Rasen- und Schotter- Nebenplätzen bis hin zur modernen Spielstädte mit Flutlicht und Kunstrasenplätzen in einer sportlichen Umgebung. Auch die Ausrichtung und Ansprüche der Fußballer veränderten sich.

Aus der „Ersten“, die in den Anfangsjahren bereits „Harz-Gau-Meister-Titel sammelte, wurde zwischenzeitlich eine DDR-Zweitligamannschaft und in der Neuzeit ein ernstzunehmender Viertligist im Fußball-Land Deutschland. Großen Respekt an dieser Stelle an diejenigen, die so etwas gestaltet, finanziert und vor allen daran geglaubt haben!

Besonders interessant und von unschätzbarem Wert, stellt sich die Entwicklung der Nachwuchs-Abteilung dar. Es gab Zeiten, in denen gestandene Ex-Fußballer der nachfolgenden Generation als Übungsleiter, die Grundlagen und Feinheiten der schönsten Sportart der Welt beigebracht haben.

Es gab aber auch Jahre, in denen die wertvollen Talente kaum beachtet oder berücksichtigt worden.

Dabei war der Standort Halberstadt schon immer ein Synonym für gute Nachwuchsarbeit, weit über Bezirks- oder Landesgrenzen hinaus. Mit dem Start des „Leistungszentrum Nachwuchsfußball“ im August 2008, hat sich der VfB Germania Halberstadt in Sachsen-Anhalts Spitze festgesetzt. Kein Verein, von den geförderten Leistungszentren an Elbe und Saale abgesehen, hat es in der Neuzeit geschafft, so kontinuierlich in allen Altersklassen präsent zu sein wie der VfB Germania. Unterstützt vom DFB-Talentförderprogramm, zieht sich der rote Faden der Ausbildung seit der LZN-Gründung mit Beginn der C-Junioren, durch alle Altersklassen. Etliche Landes- und Vize- Meistertitel sind ein Beleg der Qualität unseres Ausbildungssystems. Natürlich stachen auch immer Talente heraus.

Ob Senkbeil, Henze, Franz, Petersen oder Beil, vielen Nachwuchs-Fußballern gelang der nächste Schritt in den „oberen“-Fußball-Leistungs-Bereich. Auch aktuell sind wieder Sechs Jung-Germanen in den Leistungszentren unterwegs. Sehr gefühlvoll gelingt den Verantwortlichen der größten Sport-Abteilung des Vereins, aber auch der Spagat zwischen dem beschriebenen Leistungs- und dem Freizeit-Bereich der jungen Germanen. Getreu den Worten unseres Ehrenpräsidenten Dr. Wolfgang Bartel(+) „Kinder von der Straße in den Verein“, laufen neben der Leistungsorientierten Teams auch Mannschaften, die den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, einfach ihrem Hobby nachzugehen und frei Fußball zu spielen. Unter geschulter Aufsicht und nach Anleitung.

Das Wichtigste und Wertvollste in den 125 Jahren Fußball in Halberstadt, werden immer Personen sein.

Menschen, die ihre Freizeit dem Ehrenamt verschrieben haben. Menschen mit großem Herzen, die sich ausbilden lassen, um Kindern und Jugendlichen Werte zu vermitteln. Werte, die auch etwas mit der Sportart zu tun haben, vor allem aber Werte, die elementar für die Gesellschaft und das Leben sind.

Diesen Menschen ist es zu großen Teilen zu verdanken, dass der jetzige VfB Germania ein Teil von 125 Jahren Fußball in Halberstadt ist.

…herzliche Gratulation – auf die nächsten erfolgreichen 25!

 

Thomas Waldow

Abteilungsleitung Fußball

LZN-Leiter

Leiter der Geschäftsstelle

 

Vereinsmitglied seit August 1988