Fußball Oberliga: ... Erste mit Dreier zum Auftakt

Rückstand gedreht – Auswärtsdreier perfekt

OL Süd: 1.SC 1911 Heiligenstadt – VfB Germania 1:2 (0:0)

(von Bernd Waldow)

Die Mannschaftskassen beider Vereine sollten spürbar geklingelt haben, nach diesem denkwürdigen Spiel! Da war zum einen der Zweitliga-Erprobte Fabian Schnellhardt, der für die Gastgeber das erste Oberliga-Tor der Historie erzielte und später noch mit „Rot“ vom Platz flog, andererseits war es Pascal Hackethal vergönnt, in seinem 100. Pflichtspiel im Dress des VfB Germania das entscheidende Tor zum Sieg zu erzielen....

 

Doch der Reihe nach. Manuel Rost hatte vor dem Spiel gewarnt, das Match werde den Charakter eines Pokalspiels haben, in dem der Gastgeber, getragen von der Euphorie des Aufstiegs und von etwa 1000 Zuschauern unterstützt, mit gehöriger Körperlichkeit versuchen werde, zum Erfolg zu kommen. Seine Mannschaft hatte ihm zugehört und verlagerte das Geschehen von Anfang an vor das Tor des Gastgebers. Schon in der 3. Minute hätte die Führung fällig sein müssen, als Hackethal einen Freistoß aufs Tor brachte, den Aleksandar Stankovic prallen ließ, genau vor die Füße von Philipp Heller, der jedoch etwas überhastet diese Premium-Chance über dem Querbalken platzierte. Pascal Hackethal, von Silvio Rust in Szene gesetzt (6.), dann Davis Boateng (7.) und erneut Boateng (15.), dessen Pass auf Joel Klaschka aber aus Abseitsposition gespielt worden war, sie hätten alle auf 0:1 stellen können, genau wie Heller per Kopf nach einer Ecke von Edhem Hujdurovic. Die erste halbe Stunde gehörte ausschließlich den Gästen. Bis dahin hatte Lukas Cichos eine Rechtsflanke sicher gepflückt (7.) und einen hohen Ball aus dem Strafraum geboxt (27.). Erst danach Heiligenstadt mit einer Chance nach Ecke (Leon Göbel rechts vorbei/ 29.) und einem Distanzschuss über das Tor (35.). Die letzten gefährlichen Aktionen fanden wieder vor dem SC-Gehäuse statt, doch vor der Pause ließen die Halberstädter eine verdiente Führung mehrmals liegen. Nach dem Wechsel der Routinier Schnellhardt mit einem Geniestreich, zog von der Linksaußen-Position an der Strafraumkante ab (47.) und traf unhaltbar rechts an den Innenpfosten, von wo aus die Kugel ins Tor sprang. War die Chancenverwertung der Halberstädter in Durchgang eins ausbaufähig, so sah man eine sehr starke Reaktion der Mannschaft auf den Rückstand. Dabei galt es zunächst noch einen weiteren Rückschlag zu verkraften, Edhem Hujdurovic musste mit Atemproblemen aus dem Spiel genommen werden  (51.), Julien Huber kam ins Team. Die Spielhoheit nicht an den euphorisierten Gastgeber abzugeben, daran arbeiteten jetzt alle im Verbund. „Hacke“ trieb an, schlug eine scharfe Fklanke vor das Tor, die Keeper Stankovic im hinteren Strafraum aus dem Händen rutschen ließ, hier schaltete Joel Klaschka schnell, übernahm die Kugel, drehte erst sich und dann das Spielgerät gefühlvoll als Schlenzer in die lange Ecke (57.) zum völlig verdienten Ausgleich. Das Spiel war insgesamt offener geworden, weil Heiligenstadt nach der Führung etwas mutiger wurde, dennoch hatte auch der VfB Germania weiterhin seine Chancen, beispielsweise Heller, der ein Hackethal-Zuspiel aufs Tor brachte (70.). Kapitän Lukas Cichos glänzte danach mit doppelter Riesen-Parade gegen Leon Gümpel (72.) und den folgenden Nachschuss. Auf der anderen Seite zielte Hackethal knapp am rechten Pfosten vorbei (74.), bevor dann Schnellhardt zum tragischen Helden mutierte. Mit offener Sohle von hinten in die Beine von Rust (76.) – das konnte bei objektiver Bewertung nur „Rot“ sein. Gegenüber dann ein Foul am linken Strafraumeck, knapp 20 Meter Torentfernung. Pascal Hackethal trat den Freistoß und traf von links rechts oben an den Innenpfosten, von dort ins Netz – fast eine Blaupause des 1:0 – nichts zu halten und Spiel gedreht. Nach einer weiteren Unsicherheit des SC-Keepers stocherte Huber den Ball knapp am linken Pfosten vorbei, auch Sezer Gönülcan verfehlte das Tor knapp (90.+4), die Entscheidung somit verpasst. Stattdessen brannte es auf der anderen Seite noch einmal, doch Cichos mit einer weiteren Großtat, diesmal war Wolanski frei vor ihm aufgetaucht (90.+5) und im Verbund wurde dann auch der Nachschuss geklärt. Mit großer Leidenschaft brachte der VfB Germania den Vorsprung über die Zeit und die drei Punkte unter Dach und Fach. Manuel Rost sprach später von einem Sieg der Moral und lobte die Einstellung seines Teams und die Entwicklung während des Spiels auf dem Platz. Nach diesem Saison-Einstand ist nun die Freude auf die Begegnung mit dem VfB Auerbach im Friedensstadion allerseits spürbar.