Energie, Willenskraft und Lukas Cichos sichern Punktgewinn in Stahnsdorf
OL Süd:
RSV Eintracht Stahnsdorf – VfB Germania 1:1 (1:1)
(von Bernd Waldow)
Über einen Punktgewinn, der sich wie ein Sieg anfühlt, freuten sich am Schluss die Halberstädter verdientermaßen. In Stahnsdorf suchten die Rost-Schützlinge früh ihre Chancen durch schnelles Umschaltspiel. Bereits in der zweiten Minute bedeutete das die Führung, nur wenige Stationen brauchte es dafür. Joel Klaschka wurde mit einem feinen Diagonalball auf der linken Außenspur in Szene gesetzt, schwenkte nach innen und suchte den Abschluss. Torhüter Liam Brenn parierte den Ball, ließ ihn jedoch nach vorne abprallen. Pascal Hackethal lauerte an der Strafraumgrenze, nahm die Kugel aus der Drehung direkt und stellte auf 0:1. Auch danach war es der VfB Germania, der Akzente setzte. Der RSV wurde gezwungen, zu reagieren, während der VfB Germania agierte. In der zehnten Minute probierte es Hackethal erneut, seinem Schuss aus der Distanz fehlte aber die Genauigkeit. Und schließlich „Hacke“ mit dem dritten Abschluss, da fehlte nur eine Handbreit (20.), als er nochmals von der Sechszehner-Linie abzog. Erst in der 23. Minute gelang dem Gastgeber der erste ausgespielte Angriff, den Tim Göth allerdings über die Querstange setzte. Drei Zeigerumdrehungen später fand Mathias Steinborn die Lücke, schoss auf die kurze Ecke, doch Lukas Cichos war reaktionsschnell unten am kurzen Pfosten und klärte. Auf der anderen Seite war Keeper Brenn nach guter Kombination über Klaschka und Paul Kühnhardt noch so eben vor dem einschussbereiten Davis Boateng am Ball. Eine sehr gute erste halbe Stunde hatte der VfB Germania mit der verdienten Führung hier abgespult. Was folgte, waren extreme Belastungstests für die Psyche und Physis der Domstädter. Zuerst wurde Hackethal nieder gestreckt, musste nach 31 Minuten verletzt vom Feld – ein herber Verlust, denn der RSV hatte damit den bis dahin auffälligsten Halberstädter Spieler aus dem Match genommen. Vier Minuten später fiel Dominik Kruska ein abgefälschter Ball vor die Füße, den er mit voller Wucht aufs Tor drosch, so dass die Kugel ihren Weg ins Netz fand und der Ausgleich perfekt war. Damit nicht genug, der für „Hacke“ eingewechselte Emilio Stobbe, Neuzugang, der erst unter der Woche zu den Halberstädtern stieß, leistete sich im Kampf um den Ball ein Foul an der Mittellinie, ging mit zu hohem Risiko seinen Gegenspieler an. Zwar traf er ihn nicht schwer, doch der kollektive Aufschrei von der Bank des RSV beeindruckte Schiedsrichter John Bartsch dann doch. „Gelb“ hätte es wohl getan, doch immer wieder schrien die Gastgeber empört „Das war „Rot“...“. So lange, bis der Referee schließlich einlenkte und Stobbe des Feldes verwies (45.).
Die junge Mannschaft der Halberstädter zeigte dann eine bemerkenswerte Reaktion im zweiten Durchgang. In Unterzahl agierend, wuchsen die Spieler an ihren Aufgaben und als Team über sich hinaus. Mit unbändigem Einsatz schlossen sie immer wieder die gefährlichen Räume, so dass der RSV ein ums andere Mal nach „Schema F“ angreifen musste, was die Halberstädter mit Mann und Maus zu verteidigen wussten. Für einen „Lucky Punch“ hätten Edhem Hujdurovic (68., Freistoß auf die kurze Ecke/ gehalten) oder Boateng (75., freier Abschluss nach feinem Konter/ gehalten) sorgen können, doch sie blieben erfolglos. Dann rückte immer öfter Kapitän Cichos in den Mittelpunkt. Ein grandioser Block gegen Steinborn (77.) läutete die emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle in der Schlussphase ein. Der oft souveräne Schiedsrichter gab auch in der 78. Minute keine gute Figur ab. Aus nächster Nähe wurde Julien Huber mit voller Wucht angeschossen, nahm reflexartig eine Schutzhaltung ein, wobei er den Ball mit der Hand berührte. Zunächst ließ der Pfeifenmann die Aktion weiter laufen, doch nach lautstarker Intervention seitens der RSV-ler zeigte er dann doch noch auf den Punkt. Routinier Steinborn trat an, schoss scharf nach links, doch dahin flog auch Lukas Cichos und boxte das Spielgerät aus dem bedrohten Eck. Auch danach kam Steinborn noch zu mehreren Abschlüssen, genau wie seine Mitspieler, die nun aus allen Lagen schossen, doch Halberstadts Nummer 1 blieb extrem cool, fing sicher die Bälle oder boxte sie weit aus der Gefahrenzone. Am Ende wuchs die Mannschaft von Manuel Rost als verschworene Einheit von Minute zu Minute mehr, hatte die Rückschläge mit großer Moral weggesteckt, ja sogar Stärke aus diesen Schlüsselsituationen gezogen und stemmte sich bis zum Schluss erfolgreich gegen die drohende Niederlage.
Mann des Tages war jedoch Lukas Cichos, der ruhende Fels in der Brandung!
