Fußball Oberliga: ... Erste mit Punktgewinn im Harz-Derby

Balsam für die Fan-Seele durch Jubilar Paul Grzega

NOFV-OL Süd: VfB Germania – FC Einheit WR 2:2 (1:0)

(von Bernd Waldow)

Gäste-Trainer Florian Mehr brachte es nach der Partie auf einen Satz, indem er befand, der VfB Germania hätte die Partie bereits in der ersten Halbzeit für sich entscheiden können. Nachdem die Führung nach 45 Minuten nur 1:0 lautete und Einheit so noch am Leben blieb, befreiten sich seine Schützlinge am eigenen Schopf aus der prekären Situation, drehten das Spiel und gaben den Sieg in der Nachspielzeit aus der Hand, weshalb es gefühlt eher ein Punktverlust, als ein Punktgewinn für die Gäste sei. Dem musste Manuel Rost wohl oder übel weitestgehend zustimmen. Dabei fiel auf, dass die Halberstädter erwartungsgemäß zwar das Spiel machten, aber viele Ideen ohne Ertrag versandeten, weil Abstimmung oder Genauigkeit fehlten. So brachte Pascal Hackethal in der 8. und 12. Minute jeweils präzise Flanken von links in den Lauf der Spitzen, die allerdings nicht stachen, weil sie nicht darauf eingingen. Dann versuchte es „Hacke“ selbst, nahm spektakulär ein Ball volley aus 18 Metern (16.), den Franz-Günther Lohse mit starker Reaktion noch zur Ecke lenkte. Eckbälle im Verlauf des Spiels allerdings seitens der Gastgeber überhaupt kein Kriterium. Eine überraschende Freistoß-Variante mit Hackethal und Paul Grzega (29.) flog nur knapp am Dreiangel vorbei. Das Übergewicht des VfB Germania trug dann trotzdem bald Früchte, weil Davis Boateng auf der linken Seite klug auf Marcel Kohn zurück legte, der mit einer Täuschung seinen Gegenspieler an der Sechzehn-Meter-Linie düpierte (31.) und dann freie Bahn hatte. Mal nicht per Kopf, sondern überlegt mit dem rechten Fuß ins linke Eck, am chancenlosen Lohse vorbei, stellte er verdientermaßen auf 1:0. Die Gäste hatten bis dahin nur halbherzig abgeschlossen, die Genauigkeit fehlte, so dass Lukas Cichos nicht viel zu tun bekam. Die größte Torchance des Spiels offenbarte sich dann für Pascal Hackethal, der fein über die rechte Seite von Boateng bedient wurde, völlig blank dreizehn-vierzehn Meter vor dem Tor aber nicht den direkten Weg ins Netz suchte, sondern den Ball zu lange am Fuß behielt und dann zu schwach abschloss, so dass Einheit den flachen Ball auf der Linie klären konnte. Benjamin St. Louis (37.) und Danny Wersig (43.) trafen jeweils aus der zweiten Reihe deutlich über das Ziel, so ging es mit dem 1:0 in die Pause.

Nach dem Wechsel hatte Florian Mehr umgestellt, seine Mannschaft war nun aktiver und besser im Spiel, nutzte in der 49. Minute die erste Chance im zweiten Durchgang. Viel Platz auf der rechten Seite, eine präzise Flanke und ein schulbuchmäßiger Kopfball des sträflich frei stehenden Danny Wersig sorgten für den Ausgleich. Auf der anderen Seite legte Edhem Hujdurovic auf für Joel Klaschka, doch dessen Versuch aus zwanzig Metern strich rechts vorbei. Kurz darauf „retteten“ die Halberstädter zur Ecke, die auf den kurzen Pfosten kam, wo Usman Taiwo mit perfektem Timing die Kugel in die lange Ecke beförderte (57.) – Spiel gedreht und die Gäste jetzt obenauf. Cichos musste einen platzierten Kopfball aus dem Winkel pflücken (65.) und reagierte stark in der kurzen Ecke (77.) gegen einen Schrägschuss von Nyger Hunter. Hier hatten die Gäste die Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden, denn die Platzherren hatten in dieser Phase wieder das Problem, dass die Bemühungen ins Leere liefen, weil Ideen offenbar nicht von allen verstanden wurden. Pascal Hackethal versuchte es zwar immer mal wieder aus nahezu allen Lagen, doch die Zielgenauigkeit fehlte auch ihm.

 

Immerhin, der VfB Germania verlagerte das Geschehen in der Schlussphase noch einmal weit in die gefährliche Zone der Gäste, die nun ihrerseits durch Befreiungsschläge versuchten, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Doch immer wieder flogen die Bälle in den Wernigeröder Strafraum. Just mit Beginn der Nachspielzeit hatte Marcel Kohn den Ausgleich auf dem Kopf, doch Lohse parierte sicher. Den Schlussakkord indes hätte man in keinem Drehbuch treffender gestalten können. Pascal Hackethal brachte den Service von links in die Box und Paul Grzega wuchtete das Spielgerät überlegt in die rechte Ecke (90.+2) zum 2:2-Ausgleich. Die drohende Niederlage gerade noch abgewendet durch den Mann, der vor dem Anpfiff für sein 150. Pflichtspiel im Dress des VfB Germania geehrt wurde. Am Ende also eine Punkteteilung mit der beide leben müssen und wahrscheinlich – jeweils mit einem lachenden und einem weinenden Auge – auch können. Die Fans des VfB Germania bejubelten unterdessen befreit den Treffer von Dauerbrenner Paul Grzega, der mit seinem Tor ein tristes Ende des Sonntages und folgende Häme verhindert hatte!