NOFV-OL Süd: VfL Halle 96 - VfB Germania Halberstadt 1:2 (1:0)
(von Bernd Waldow)
Kapitän Lukas Cichos brachte es im Spielerkreis vor dem Anpfiff auf den Punkt, indem er
sein Team mit den Tatsachen konfrontierte. Dass nämlich auf dem schwierigen Untergrund
Fehler passieren werden, es aber nicht um den vorwurfsvollen Blick zum Nebenmann gehe,
sondern darum, mit vereinter Kraft gemeinsam die Fehler wieder auszubügeln und daraus
die notwendige Stärke zu ziehen. Im Grunde ist das Spiel damit bereits erzählt. Auf dem
tiefen und aufgeweichten Untergrund war zwar ein reguläres Spiel möglich, es verlangte den
Akteuren beiderseits aber alles ab. Mit voller Intensität ging es so von Beginn an in den
Kampf. Grundsätzlich spielte der VfB Germania hoch konzentriert, leistete sich aber einen
frühen Lapsus, als ein Freistoß des VfL von links nicht geklärt wurde und Davidson Tomás
Cabral das Spielgerät per Kopf ins Halberstädter Tor verlängern konnte (9.), eine Situation,
bei der Abwehrhüne Marcel Kohn schmerzlich vermisst wurde. Die von Kapitän Cichos
eingenordeten Spieler hatten ihrer Nummer 1 offensichtlich sehr genau zugehört, denn völlig
unbeeindruckt ging es nun ans Werk, den Fehler mit vereinten Kräften wieder auszubügeln.
Dabei übernahmen die Rost-Schützlinge zunehmend mehr die Spielkontrolle und kamen zu
Chancen. Daniel Heinrich konnte zunächst ein Zuspiel von Pascal Hackethal (16.) nicht
ordentlich verarbeiten, kam dann um die berühmte Schuhspitze zu spät (17.), als Paul
Grzega den Service lieferte. Den Sprint in die Tiefe von Joel Klaschka, den Hackethal in die
Gasse geschickt hatte (19.), beendete der Assistent mit dem Fahnensignal. Die Abschlüsse
von Emilio Stobbe (23.) und Hackethal per Freistoß (27.) wehrte VfL-Keeper Phillip Stark
gekonnt ab. Dann scheiterte Grzega zweimal, zunächst rutschte er aus (34.), als ihn Julien
Huber am Strafraum-Eck in Szene gesetzt hatte, sechzig Sekunden später rauschte sein
Versuch knapp über das Tor. Grzega zum Dritten (42.), der gut angesetzte Schuss wurde
noch in letzter Sekunde abgewehrt. Vinicius Sandri zog aus der zweiten Reihe ab (44.), traf
um Zentimeter an der linken Torstange vorbei, ehe Klaschka bereits zum Torjubel ansetzen
wollte (45.), Stark die Kugel allerdings mit den Fingerspitzen noch um den Pfosten wickeln
konnte. Halle nach der Führung nicht mal sporadisch in gefährlicher Nähe zum zweiten Tor,
wohl aber sehr glücklich zur Pause noch 1:0 in Führung.
Nach dem Wechsel hatte der VfL allerdings den besseren Start, da half der Pfosten den
Halberstädtern (47.), bevor Sandri einen Gewaltschuss von Jegor Jagupov (55.) spektakulär
vor der Linie entschärfen konnte. Eine Szene, die ihren Ursprung in einem unglücklichen
Querschläger im Mittelfeld hatte, der den VfL plötzlich unkonrolliert in gute Position brachte.
Danach hatte der VfB Germania den Taktstock der Begegnung endgültig sicher in der Hand.
Klaschka mit Direktabnahme (58.), die zur Ecke abgefälscht wurde, ein klasse Kopfball von
Grzega nach Ecke von Fabio Ertmer, glänzend von Torwart Stark pariert, der aber dann
machtlos war, als Hackethal einen Freistoß aus dem linken Halbfeld nach innen brachte
(60.), den Silvio Rust am zweiten Pfosten zum hoch verdienten Ausgleich über die Linie
drückte. Als Stobbe zwei VfL-Verteidiger ausgespielt hatte ( 72.), fehlte ein wenig die Kraft
im Abschluss, so dass Stark in dieser Szene noch Sieger dieses Duells blieb. Doch der VfB
Germania blieb beeindruckend fokussiert, ging mit allen Akteuren über die berühmte
Schmerzgrenze hinaus. Technische Feinheiten blieben Mangelware, auf diesem Untergrund
waren sie einfach nicht spielbar. Auch in dieser Phase der Gastgeber kaum zwingend, ein
einziger Freistoß (76.) mit Kopfball deutlich über das Tor, war nahezu alles was die
Halberstädter zuließen, alles andere verteidigten sie aufopferungsvoll und leidenschaftlich
weg. Auch die fünfminütige Nachspielzeit nutzten sie nicht, das Ergebnis zu verwalten,
sondern suchten entschlossen den Sieg. Der gelang dann schließlich sehenswert, als Emilio
Stobbe von der rechten Halbspur aus das Strafraumeck ansteuerte und von dort ein „Pfund“
mit perfekter Flugbahn in die lange Ecke einschweißen konnte. Der beste Mann der
Hallenser, Torhüter Stark, war damit ein zweites Mal überwunden und die drei Punkte gingen
unter dem Strich nach einer einmal mehr geschlossenen, sehr erwachsenen
Mannschaftsleistung sehr verdient an den VfB Germania, der wieder einmal von zahlreichen
Fans vor Ort Unterstützung erhielt, die ebenso zufrieden die Heimreise antreten konnten.
