Im Schongang reicht es nicht für Punkte
NOFV-OL Süd: VfB Germania Halberstadt – Bischofswerdaer FV 08 2:3 (1:0)
(von Bernd Waldow)
Lust auf Fußball, Frühlingswetter und der Rückenwind des Spiels in Grimma – es waren beste Voraussetzungen, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Doch es kam anders. Zynisch könnte man das Fazit der Vorwoche bemühen, drei Tore, drei Punkte, Auswärtssieg!
Dumm nur, dass der VfB Germania diesmal in der Gastgeberrolle agierte. Manuel Rost hatte sich nach dem Spiel schnell sortiert und nahm kein Blatt vor den Mund. Es sei ein Rückfall in Muster gewesen, die man längst überwunden geglaubt hatte. Selbstzufriedenheit nach der Führung und der Glaube, es mit 80 Prozent durchbringen zu können, diesmal sei er von der Mannschaft enttäuscht, dafür trainiere man nicht täglich so hart...
Dabei starteten seine Schützlinge ganz nach dem Geschmack der Heimfans, Chancen wurden kreiert, so kam Joel Klaschka zum Abschluss (6./ zu schwach geschossen), brachte Pascal Hackethal eine Ecke hauchdünn am zweiten Pfosten vorbei, wo Marcel Kohn einen Tick zu spät kam (9.), „Hacke“ selbst schloss akrobatisch eine Kombination von Paul Grzega über Davis Boateng ab, die geklärt wurde (11.)... Dann der Moment, der alleine das Eintrittsgeld wert war – Hackethal eroberte im BFV-Aufbauspiel den Ball, sah die Lücke und hämmerte das Spielgerät aus 18 Metern mit Volldampf rechts oben in den Winkel. Sehenswert und unhaltbar gestaltete sich das 1:0 (17.). Die Gäste bis zu diesem Zeitpunkt komplett harmlos, dann aber mit der Großchance (26.), als Lukas Cichos mit einer Faust nach außen klärte, der Ball aber vom BFV sofort wieder serviert wurde und am Elfmeterpunkt Dave Baum frei stehend zu hoch zielte. Dann ging es auf der anderen Seite weiter, nochmals Klaschka mit dem zu schwachen Abschluss (27.) und Hackethal mit der nächsten Ecke, die auf die Latte tropfte (34.), auch Daniel Heinrich (40./ Ball nicht richtig geroffen und 43./ zu hoch angesetzt) hätte die Führung ausbauen können. Bischofswerda blieb so im Spiel und zeigte sich zögerlich, als die HBS-Abwehr nicht konsequent klärte (37./ Martin Sobe drüber) und als zuerst Pierre Maurice Scheunert und im zweiten Versuch erneut Baum (44.) abschließen konnten, Cichos aber final auf der Hut war. So blieb es beim knappen Halbzeitvorsprung von 1:0 für die Hiesigen.
Nach dem Wechsel ein brillanter Pass von Hackethal in die Spitze auf Emilio Stobbe (48.), der aber nicht gleich abschloss und so schließlich von drei BFV-Akteuren gestellt werden konnte. Es folgte ein Grzega-Kopfball über das Tor (49.) nach Hackethal-Ecke. Als Baum schließlich Kohn an der Mittellinie den Ball abnahm und auf Cichos zusteuerte, war Fabian Zeidler Retter in höchster Not (51.), löschte die Aktion sauber vor dem Strafraum. Es gab also durchaus Warnsignale für den VfB Germania, doch der schaltete in den Verwaltungsmodus, war nicht so bissig und zwingend, obwohl trotzdem noch gute Chancen heraus sprangen. Heinrich mit Hackethal, dieser zurück auf Vinicius Sandri, der jedoch das Ziel verfehlte (55.), sich danach selbst geschickt bis zur Grundlinie durchtankte und Stobbe bediente (59.), der aber aus Nahdistanz den Ball über das Tor löffelte...
So nahm das Spiel dann eine jähe Wendung, als eine flache Eingabe von links nicht geklärt wurde, auf der anderen Strafraumseite der Flachschuss Richtung Cichos-Tor flipperte, noch abgefälscht von Heinrich, final wohl von Eduard Hofmann über die Linie gedrückt (65.), so dass der BFV glücklich zum Ausgleich kam. Grzega hätte das reparieren können (71.), doch jagte er das feine Zuspiel von Hackethal frei stehend über den Kasten. Ein letztes Mal der VfB Germania im Glück, eine schwache Abwehr fiel Vinicius Sandri vor die Füße, der mittels Direktabnahme aus 20 Metern (74.) Torhüter Stefan Kiefer überraschte und auf 2:1 stellte.
Doch auch diesen Umstand nutzten die Hausherren nicht, um endlich mit vollem Einsatz die Begegnung zuzumachen, sondern wirkten weiter pomadig, blieben insgesamt zu passiv und spielten damit den Gästen in die Karten. Einen feinen Konter über die zentrale Position (85.) veredelte Franz Born gekonnt an Cichos vorbei zum 2:2. Jetzt lief den Halberstädtern die Zeit davon, Heinrich köpfte noch einmal drüber (88.), bevor Cichos mit einer Glanzparade (89.) zunächst einen weiteren Gegentraffer verhindern konnte. Doch der BFV glaubte jetzt an sich und setzte den Lucky Punch. Einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld brachte Born herein, am zweiten Pfosten lauerte Johann Weiß, der zum 2:3 einköpfen konnte (90.+1) und damit seinem Team einen wichtigen Auswärtssieg sicherte. Der VfB Germania heute weit weg von den eigenen Ansprüchen, abgestraft von effizienten Sachsen.
