Fußball Oberliga: ... Halberstadt siegte im Lok-Derby

Angestrebte drei Punkte geholt, aber personell weiter gebeutelt

NOFV-OL Süd: 1.FC Lok Stendal – VfB Germania  0:2 (0:1)

(von Bernd Waldow)

 

Obgleich die Favoritenrolle klar zugeordnet scheint, wenn der Tabellendritte beim Schlusslicht des Klassements antritt, war der VfB Germania gewarnt und hatte die Zeichen der Vorwoche richtig eingeordnet. Dabei musste sich das Rost-Team unter besonderen personellen Herausforderungen beweisen, denn neben den Langzeitverletzten fiel nun auch noch Kapitän und Leitfigur, Routinier Lukas Cichos, angeschlagen aus, stand zudem Abwehr-Recke Marcel Kohn nicht in der Startformation. So organisierten Torhüter Fabian Guderitz und das Duo Silvio Rust und Neu-Kapitän Daniel Heinrich die VfBG-Abwehr. Beide Teams begannen die Offensiv-Versuche jeweils mit einem flachen Abschluss, Philipp-Maik Witte (5.) und Edhem Hujdurovic (6.)  fanden in den Torhütern jeweils ihren Meister. Danach musste Guderitz Kopf und Kragen riskieren, als Witte plötzlich völli frei aus Nahdistanz zum Schuss kam, zeigte dabei sein ganzes Können und vereitelte reaktionsschnell die Chance (8.), bevor auch der Assistent die Fahne hob. Nach dieser Phase hatte die Defensiv-Abteilung des VfB Germania allerdings die Dinge weitestgehend fest im Griff, verlagerten die Halberstädter das Geschehen überwiegend in die Stendaler Hälfte. Nach knapp einer Viertelstunde folgte – wie in der Vorwoche – der magische Moment des Pascal Hackethal. Dieser profitierte von einer Balleroberung kurz hinter der Mittellinie und sah in der linken Halbspur, dass Keeper Philipp Poser weit vor seinem Tor agierte und ließ aus knapp vierzig Metern mit ganz feinem Füßchen einen butterweichen langen Ball über den Torwart hinweg ins rechte obere Eck segeln – Prädikat Traumtor! Diesmal blieb der VfB Germania auch nach der Führung aktiv, hielt die Intensität hoch. Joel Klaschka servierte nach innen (19.), wo Emilio Stobbe zu einem Flugkopfball ansetzte, allerdings links vorbei zielte. Auch danach fehlte Halberstadts Nummer 9 nicht viel, eine Eingabe von rechts rutschte knapp über den Scheitel, den flachen Pass von Hackethal anschließend (27.) verfehlte er um eine Schuhspitze. Dann ein seltener Konter der Stendaler, Niclas Buschke steil unterwegs (30.), von Rust sauber abgelaufen. Auf der anderen Seite setzte Davis Boateng Paul Grzega in Szene, der vom rechten Strafraumeck aus zu hoch abschloss (32.), bevor ein Ballverlust an der Mittellinie Gefahr auslöste, doch Witte und Buschke spielten das nicht gut aus (37.), so dass die Abwehrreihe des VfBG das noch reparieren konnte. So ging es mit einem 0:1 in die Pause, aus der der Gastgeber mit etwas mehr Mut heraus kam und zunächst besser im Spiel war, weil die Halberstädter den Lok-Akteuren etwas zu viel Raum ließen. Echte Torgefahr entstand dabei jedoch nicht direkt. Die erste nennenswerte Aktion mit Torpotential kam von Stobbe, der nach Hackethal-Einwurf (63.) am kurzen Pfosten vorbei köpfte. Ein Boateng-Flachschuss wurde von Poser zur Ecke gelenkt, die Heinrich am zweiten Pfosten um Zentimeter verfehlte (69.), bevor dann Hackethal Hujdurovic bediente, dessen Flanke von links Silvio Rust per Kopf zum 0:2 ins Netz drückte (69.), was dem Spielverlauf inzwischen gerecht wurde. Gleich im Anschluss aber Lok wieder vor dem Halberstädter Tor, wo Guderitz den ersten Versuch sicher abwehrte (72.), der zweite Schuss rauschte knapp rechts vorbei. Stendals erste Ecke in der 73. Minute faustete Guderitz danach sicher aus der Gefahrenzone und Hackethal hätte von halb links nochmal zum Versuch ansetzen können, legte aber lieber auf Klaschka ab, der allerdings war inzwischen ins Abseits gelaufen. Die Partie wurde nicklicher, es gab einiges „auf die Socken“. Schiedsrichter Thimo Henrik Welk hatte das aber alles souverän im Griff und verteilte manche gelbe Karte. Problem: Es blieb für die Halberstädter nicht ohne Konsequenzen: Vinicius Sandri wurde im eigenen Sechzehner gefoult und musste verletzt raus (83.), Heinrich wurde früh getroffen, spielte aber weiter. Erst nach Abpfiff sah man das Ausmaß der Fleischwunde. Für ihn hieß es nun, sich in ärztliche Obhut zu begeben, für die Teamkollegen bedeutete das eine um fast drei Stunden verspätete Heimreise, denn Daniel Heinrich konnte nach der Behandlung im Krankenhaus im wartenden Mannschaftsbus die Rückfahrt antreten. Zu allem Überfluss hatte sich auch Grzega in der Schlussphase noch die fünfte „Gelbe“ abgeholt, so dass die personellen Alternativen für den Nachholer in Auerbach am Mittwoch eine spannende Angelegenheit werden dürften. Trotz allem: Drei verdiente Punkte auf der Haben-Seite bleiben. Außerdem hat das Team eine reife Leistung trotz veränderter Formation nachgewiesen, was ihr hoch anzurechnen ist.