Nuancen entscheiden über die Punkteverteilung
NOFV-OL Süd: VfB Auerbach – VfB Germania 3:2 (2:1)
(von Bernd Waldow)
Der Kader nach mehreren Ausfällen dezimiert, Anstoßzeit 19 Uhr nach viereinhalb Stunden Anreise unter der Woche und ein tiefer unebener Platz – es gibt einfachere Aufgaben innerhalb einer „englischen Woche“. Der Gastgeber mit dem Rückenwind von drei Siegen in Folge und personell mit einigen Unterschiedsspielern ausgestattet – die Messlatte für den VfB Germania lag hoch. Erfreulich: Es entwickelte sich auf schwerem Geläuf ein Spiel auf sehr hohem Niveau, das jederzeit kurzweilig und ereignisreich blieb. Die erste Auerbacher Druckphase konterten die Halberstädter mit einem sehenswerten Spielzug. Edhem Hujdurovic eroberte vor dem eigenem Sechzehner mit starkem Zweikampfverhalten einen Ball, schickte in der rechten Halbspur Davis Boateng auf die Reise, der sich ebenfalls unter heftiger Gegenwehr im Vollsprint durchsetzen konnte und sogar noch eine gescheite Flanke auf die andere Seite schlug (8.), wo Joel Klaschka den Ball kontrollierte und anschließend oben im langen Eck zur Führung versenkte. Die Gastgeber zeigten sich aber nicht geschockt, sondern arbeiteten weiter nach vorn. Körperlich mit Vorteilen und viel Erfahrung verschafften sie der Defensive des VfB Germania eine Fülle von Aufgaben. Schrecksekunde nach knapp einer Viertelstunde, als Fabian Guderitz einen Flankenball abfing und von Charlie Spranger an den Pfosten gedrückt wurde. Für den Halberstädter Keeper ging es aber zum Glück weiter. Während Auerbach sich viel in der Halberstädter Hälfte aufhielt, blieben einige Umschaltsituationen durchaus verheißungsvoll, Tore fielen aber zunächst keine weiteren.
Dennoch drehte Auerbach noch vor der Pause das Spiel zu seinen Gunsten. Jeweils Spranger nutzte seine 1,95m, um zielgenau zunächst oben rechts (29.) und anschließend oben links (32.) einzuköpfen. Zwei präzise Flanken von beiden Seiten fanden ihren Zielspieler, der sich robust im Zweikampf die entscheidenden Vorteile verschaffte. Insbesondere beim zweiten Tor der Einsatz mit den Händen am Gegenspieler grenzwertig, aber Schiedsrichter André Blank ließ das durchgehen, wählte eine insgesamt großzügige Linie, die fair für beide Teams galt. Mit dieser klaren Linie hatten er und seine Assistenten die Begegnung jederzeit sicher unter Kontrolle.
Noch vor der Pause versuchte Marcel Kohn, zum Ausgleich einzuschieben (34.) und auch Boateng hatte noch einen Abschluss (37.), doch beide kamen an Torwart Stanley Birke nicht vorbei.
Auch nach dem Wechsel gehörten die besseren Versuche zunächst dem Gastgeber. Guderitz musste einen Freistoß aus dem Winkel boxen (53.) und auch bei einem Schuss von Aleksandrs Guzlajevs (60.) sein ganzes Können abrufen. Drei Zeigerumdrehungen später musste er jedoch erneut den Ball aus dem Netz holen, als nochmals Spranger die Kugel serviert bekam, diesmal aber ablegte. Tim Kaiser ließ sich aus bester Position nicht lange bitten (63.) und stellte auf 3:1.
Das Spiel blieb weiter unter den immer schwieriger werdenden Platzbedingungen auf Top-Niveau, obwohl es beiden Teams schon reichlich „Körner“ abverlangt hatte. Auch wenn Auerbach die vorderste Linie allmählich immer weiter zurück orientierte, blieb doch eine hohe Intensität, die auch die Führung rechtfertigte. Die Halberstädter agierten an diesem Abend allerdings auch ohne das berühmte Matchglück. Ein ganz feiner Schnittstellenpass von Vinicius Sandri (66.) hebelte die Auerbach-Abwehr komplett aus, fand den Weg in den Lauf von Hujdurovic, dem am Ende jedoch die berühmten Zentimeter fehlten, um dieses Zuspiel zu veredeln. Pascal Hackethal fand mit genauem Zuspiel Boateng, der sich um seinen Verteidiger herum wand und zum Schuss kam, schließlich aber Birke auch nicht überwinden konnte (72.), so dass der Zwei-Tore-Vorsprung für die Gastgeber noch hielt. Diesen konnte dann aber Marcel Kohn verkürzen (76.), als Hackethal die Ecke nach innen brachte, wo Halberstadts Nummer 34 am zweiten Pfosten den Fuß richtig justierte und das Spielgerät zum 3:2-Anschlusstreffer in die Maschen schmetterte. Wie schon erwähnt, Matchglück hatte der VfB Germania am Mittwochabend nicht, sonst wäre der Ausgleich noch möglich gewesen, als beispielsweise Emilio Stobbe um einen Tick zu spät kam, nachdem Klaschka aus der Distanz abgezogen und Birke die Kugel prallen gelassen hatte (84.) oder in der Nachspielzeit (90.+2), als die Halberstädter den Torschrei schon auf den Lippen hatten, Birke aber irgendwie mit den Fingerspitzen den Versuch von Stobbe noch entscheidend störte. Auerbach brachte den Sieg durch, die junge Garde der Halberstädter kann aber viel Gutes mitnehmen.
Dass die Auerbacher Hache, Spranger, Guzlajevs, Roscher oder Kadric einzeln wesentlich mehr Erfahrung mit- und einbringen, als die geschlossene Halberstädter Bank, mit Felix Genschmar, Jano Conrad, Neo Schürmann, Leon Platz, Max Leopold und Paul König, sollte bei der Einordnung ganz sicher nicht unberücksichtigt bleiben. Das ist der derzeitige Weg, dem eigenen Nachwuchs steht die Tür offen, wohl auch wieder am Sonntag...
