Fußball Oberliga: ... 6 Tore in der Ferne

Großartige Moral kann klare Niederlage nicht abwenden

 

NOFV-OL Süd: VfB Krieschow – VfB Germania  5:1 (0:1)

 

(von Bernd Waldow)

 

Wenn ein Spiel 5:1 endet, stellt sich eher selten die Frage nach Kleinigkeiten, doch hier gab es einige Nuancen, die ein so deutliches Ergebnis gefördert haben. Hellwach, motiviert und konzentriert begannen die Jungs von Manuel Rost, den Matchplan umzusetzen. Tatsächlich gelang es im Laufe der ersten Viertelstunde, den Gastgeber kontrolliert von gefährlichen Torszenen fern zu halten. Allmählich konnte das Spielgeschehen auch mehrfach  in Richtung Krieschow-Tor gelenkt werden. Schrecksekunde für den Gastgeber in Minute 6, hier hatte Manuel Seibt den Fuß seines Gegenspielers abbekommen, der ihn im Gesicht traf, weil Seibt kurz über der Grasnarbe per Kopf agieren wollte. Das war kein Foul, so sah es auch Schiedsrichter Nicholas Köhler in seiner stärksten Szene des gesamten Spiels. Die Physios beider Teams kümmerten sich noch um den Verletzten, da schickte sich Joel Klaschka an, den Ball zu erobern, kam aber etwas zu spät, so dass er Maximilian Tesche am Fuß traf, der schreiend zu Boden ging. Die Szene, ohne Absicht, ohne Torgefahr, am Mittelkreis in der Krieschower Häfte – das wäre ein Freistoß und vielleicht „Gelb“ für Klaschka gewesen. Zum Entsetzen der Halberstädter zeigte Köhler hier aber glatt „Rot“. Man weiß es nicht, ob es in dieser 16. Minute eine Konzessionsentscheidung war. Kapitän Pascal Hackethal fand als erster Worte und fragte nach. Die verblüffende Antwort, draußen stünde ein Schiedsrichter-Beobachter, deshalb „Rot“, lässt vermuten, dass das Ermessen des Schiedsrichters eigentlich eher nicht „Rot“ war und wirft kein gutes Licht auf dessen Urteil. Dennoch zeigten sich die Halberstädter auch dezimiert willensstark, hoch konzentriert und leidenschaftlich. Krieschow wurde gezwungen, immer wieder nach außen oder zurück zu spielen, kam nur einmal entscheidend durch, als Fabian Guderitz mit einer klasse Parade gegen Miguel Pereira (20.) retten musste. Als ein Krieschower ohne Gegnerkontakt schreiend zu Boden ging, durfte Martin Zurawsky den geschenkten Freistoß (27.) treten, den Guderitz sicher abfing, ansonsten fand der Gastgeber keine Lücke. Kurz hinter der Mittellinie versprang dann auf dem holprigen Platz der Ball in der letzten Krieschower Reihe, so dass Edhem Hujdurovic gedankenschnell die Kugel stiebitzte (38.) und auf und davon zog, vor dem Tor blieb er ganz kühl und ließ Philipp Siepert keine Chance beim 0:1. Weil Vinicius Sandri auf der Linie noch einen Kopfball nach Ecke klären konnte (45.+3), hielt die Führung bis zur Pause, doch gab es noch einen Aufreger (45.+4), als Philipp Heller in einen Pressschlag verwickelt und eigentlich gefoult worden war. Doch hier gab es Freistoß für Krieschow und „Gelb“ für Heller, erneut eine Fehlentscheidung. Während sich Krieschow auch im zweiten Durchgang eine Reihe von Textilvergehen (Ziehen, Zerren, Halten) leistete, die alle ungeahndet blieben, sah auf der anderen Seite Fabian Zeidler bei seinem ersten Foul, ebenfalls im Mittelfeld (50.) sofort die gelbe Karte – schon sehr einseitig. Kurz darauf setzte sich Leo Felgenträger mal rechts durch und passte nach innen (53.), wo Pereira der Ausgleich gelang. Dass man in Unterzahl nicht alles würde wegverteidigen können, das wurde bereits kalkuliert, doch war die Hoffnung, ein Gegentor nicht schon so bald zu bekommen. Dennoch hielten die Halberstädter die Begegnung mit hoher taktischer Disziplin und ebensolchem Einsatz weiter offen. Hujdurovic verfehlte knapp (58.) und auch sein Zusammenspiel mit Davis Boateng (64.) nach Konter sah gut aus, jedoch blieben sie dann doch hängen, bevor Sandri nach schönem Solo (67.) knapp rechts vorbei schoss. Dann schlug die Stunde von Paul Pahlow (71.), der aus der Distanz abzog und einen Strahl ins rechte obere Eck schickte – Guderitz ohne jede Abwehrchance. Kurz darauf ging der Spielaufbau der Halberstädter schief, der eingewechselte Andy Hebler nutzte das (73.) und stellte auf 3:1. Direkt vor das Tor kamen die Gastgeber auch weiterhin kaum, doch sah Toby Michalski aus der Entfernuing die Lücke und nutzte sie. Guderitz auch bei diesem 4:1 (79.) ohne Abwehrmöglichkeit. Jano Conrad stellte seinen Gegenspieler am linken Strafraumeck, dieser ging schreiend zu Boden (81.) und erhielt einen Foulelfmeter. Routinier Hebler verwandelte unhaltbar. Selbst nach diesem 5:1 war der VfB Germania noch zweimal gefährlich: Pascal Hackethal zündete aus der zweiten Reihe (89.), hier rettete Siepert zur Ecke und Emilio Stobbe nahm die Kugel sehenswert aus der Drehung, schoss jedoch genau auf Mann (90.+3). Der Mannschaft gebührt ein Lob für insgesamt 100 leidenschaftliche Minuten, der Lohn blieb jedoch, auch begünstigt durch zweifelhafte Entscheidungen, aus.