Torreiches Saisonfinale bedeutet Platz 5 in der Schlusstabelle
NOFV-OL Süd: VfB Germania – VfL Halle 96 3:3 (1:0)
(von Bernd Waldow)
„Ziel erreicht“ jubeln die einen, „Minimalziel erreicht“ schränken andere ein, „es war deutlich mehr drin“ granteln wieder andere. Und alle haben sie Recht, es kommt eben auf den Standpunkt an. Nach einer überraschend starken Hinrunde keimten hier und da schon Träume auf, ganz oben angreifen zu können, doch fehlte es dem Team insgesamt an Konstanz. Das ist kein plumper Vorwurf, sondern ein Umstand, der unter anderem Verletzungen und Sperren von Spielern geschuldet war, die fest als Säulen dieser Mannschaft etabliert werden sollten. So musste Manuel Rost oftmals improvisieren – und was dabei heraus kam, das kann sich bei genauerer Betrachtung tatsächlich sehen lassen.
So ähnlich verlief auch dieses Spiel. Paul König, der das Tor der Halberstädter hüten durfte, hatte früh einige Aktionen, ohne dass er spektakulär hätte eingreifen müssen. Um Paul Grzega herum entwickelte sich auf der anderen Seite das eine oder andere pro Heimelf, aber auch hier wurde es nicht gleich zwingend. Als Felix Genschmar über die linke Seite Emilio Stobbe suchte (20.), verfehlte der nur ganz knapp, Schüsse von Jano Conrad und Joel Klaschka (24.) wurden gehalten, während Joel Marks (23.) auf der anderen Seite deutlich zu hoch zielte und Vladislav Rayko die Kugel rechts vorbei schickte (25.), bevor der VfB Germania aus dem Zentrum links Klaschka bediente, der am Strafraumeck durch steckte auf Conrad, der sehenswert direkt ins die kurze Ecke verlängerte (26.) und seine Farben in Führung brachte. Dem hielt der VfL immer mal wieder Schüsse aus der zweiten Reihe entgegen, die aber regelmäßig zu ungenau waren. So hielt das 1:0 bis zur Pause.
Nach dem Seitenwechsel leitete Genschmar überragend über die rechte Seite ein, passte präzise nach innen, wo Klaschka die Kugel nicht sauber verarbeiten konnte, der Abpraller aber auf Stobbe flog, der ebenfalls kein Kapital aus der guten Möglichkeit schlagen konnte, genau wie Conrad, dessen Versuch ebenfalls hängen blieb, bevor Pascal Hackethal den letzten Abschluss aus der Distanz deutlich über den Kasten jagte. Gegenüber rutschte der Halberstädter Abwehr ein Querpass durch bis zu Marks (58.), dessen gefährlichen Schuss Daniel Heinrich noch blocken konnte. Gleich darauf wurde es brenzlig, als Marcel Kohn zu Boden ging, sich dabei abstütze und den Ball an diesen Stützarm bekam. Für Schiedsrichter Tom Heilmann ein strafwürdiges Handspiel, so entschied er auf Elfmeter (58.), den Routinier
Jegor Jagupov (bester Torschütze der Liga) unhaltbar verwandelte. Doch der VfB Germania gab die passende Anwort nur zwei Zeigerumdrehungen später, als Hackethal ins Zentrum flankte, wo Stobbe die Fußspitze ausfuhr und unter Bedrängnis die Führung zurück holen konnte. Diese hielt gut zehn Minuten, dann leistete sich der VfB Germania eine Nachlässigkeit in der Abwehr (73.), in dessen Folge Ludwig Bölke den Ball schön aufgelegt bekam und sich völlig frei stehend die Ecke aussuchen durfte. Er entschied sich für unten rechts und stellte auf 2:2. Dann hatten die Halberstädter den Torschrei erneut auf den Lippen, als sich Davis Boateng rechts fein durchsetzen konnte und nach innen passte (78.), wo Klaschka toll abschloss, aber im Gästekeeper seinen Meister fand. Kurz darauf wieder Flanke Hackethal, die Edhem Hujdurovic im Zentrum aufs Tor drückte (80.), Pech, dass er nur die linke Torstange traf. Nur Sekunden später übernahm er selbst im Mittelfeld den Ball, trieb ihn nach vorn und schoss dann aus mehr als zwanzig Metern (81.) – diesmal gab es für Bartlomiej Jelonek nichts zu halten und der VfB Germania führte zum dritten Mal. Gleich darauf flog ein abgewehrter Ball zu Boateng, der das Spielgerät wuchtig ans Lattenkreuz knallte, noch leicht abgefälscht vom Keeper. Und auch als der Ball kurz darauf im Tor lag, war es nicht die Zwei-Tore-Führung, denn hier lag nach Auffassung der Schiedsrichter eine Abseitsstellung vor... Stattdessen klingelte es kurz vor Schluss noch auf der anderen Seite, wieder schlecht verteidigt, Benny Jan Haese völlig frei im Strafraum (87.) und sehr ruhig zum 3:3 in die freie Ecke. Insgesamt aber eine ordentliche Leistung der Mannschaft, in der Youngster (Klaschka, Genschmar, Conrad, König, später auch Leon Platz) neben den Abwanderern Paul Grzega, Emilio Stobbe und Dustin Arnold aus Dankbarkeit für ihr tadelsfreies Auftreten in der Saison das Vertrauen bekamen und rechtfertigten.
Ja, es war mehr drin, aber mit Platz 5 am Ende und dem Erreichen des Pokalfinales sind die zu Saisonbeginn ausgerufenen Ziele tatsächlich nicht verfehlt worden...
