Fußball Oberliga: ... Erste erarbeitet sich Sieg im Lok-Duell

Geradlinige zweite Halbzeit führt den VfB Germania zum Sieg

OL Süd: VfB Germania  – 1.FC Lok Stendal 3:1 (1:1)

(von Bernd Waldow)

Lok Halberstadt versus Lok Stendal – ein Duell, bei dem mittlerweile leider nur noch die Älteren mit der Zunge schnalzen.  Es liegt eben schon viele Jahre zurück, dass die Traditionsvereine um das who is who im Fußball Sachsen Anhalts, respektive des Bezirkes Magdeburg buhlten. Am Ende des aktuellen Derbys triumphierte der Gastgeber – verdientermaßen, darf man sagen. Doch der VfB Germania wählte nicht den direkten, schnörkellosen Weg ins Ziel, sondern legte sich selbst einige Steine in den Weg, die er in der Folge mühsam umkurven musste.

Der Auftakt dabei vielversprechend, denn der Gastgeber setzte die ersten Zeichen nach vorn. Pascal Hackethal servierte eine Ecke von links weit hinein in den Strafraum, wo hinten am Fünfmetereck Marcel Kohn sträflich ungedeckt lauerte (10.) und das Spielgerät sehenswert per Direktabnahme in die Maschen hämmerte. Das ging zu schnell für die Gäste und Torhüter Philipp Poser, der kaum Zeit hatte, zu reagieren. In den folgenden Minuten blieb der VfB Germania dran, Hackethal schlug einen Freistoß listig unter der Mauer hindurch (15.), doch Poser war aufmerksam und hielt sicher. Stendal nach einem Einwurf erstmals in Tornähe, als Philipp-Maik Witte den Ball bekam (18.) und Lukas Cichos aus spitzem Winkel prüfte. Der Halberstädter Kapitän parierte mit starker Fußabwehr. Auf der anderen Seite ein genialer Pass von Edhem Hujdurovic in den Lauf von Davis Boateng, der uneigennützig für Joel Klaschka auflegen wollte, doch die Lok-Abwehr dazwischen – freilich nur wieder zu Boateng, der es aus schlechterer Position jetzt selbst versuchte (21.), aber zu hoch zielte. Beide Teams hatten dann binnen sechzig Sekunden je eine Überzahl-Situation. Das 4 gegen 3 der Hiesigen schloss Hackethal ab, Poser konnte blocken und auf der anderen Seite gar ein 4 gegen 2, doch der letzte Pass im Sechszehner blieb hängen. Ja, es gab Möglichkeiten, doch so richtig unter Volldampf standen beide Loks nicht in dieser Phase. Auch wenn Boateng noch ein Solo mit einem Torschuss abschließen konnte (37./gehalten), der VfB Germania verfiel zunehmend in eine merkwürdige Passivität, überließ den Gästen immer mehr die Aktionen auf dem Platz. Stendal setzte sich in der gefährlichen Zone fest und hatte dabei wenig Mühe, denn auch die Befreiungsversuche der Abwehr wurden mehrfach schlampig ausgespielt und blieben schnell hängen. Um den Ausgleich noch vor der Pause hatten die Halberstädter somit förmlich gebettelt, um im Fußball-Jargon zu bleiben. Der Aufbau von hinten heraus misslang erneut, Lok fing den Ball ab, spielte sich mit zwei, drei kurzen direkten Pässen bis vor das Tor durch, wo Niclas Buschke zum 1:1-Ausgleich traf (45.+1), bevor der Gast (45.+2) sogar noch die mögliche Führung liegen ließ.

Im zweiten Durchgang der VfB Germania dann zielstrebiger. Fabio Ertmer bediente mustergültig Paul Grzega, der im Strafraum abzog. Sein Schuss wurde geblockt und landete vor den Füßen von Joel Klaschka, der nicht lange fackelte (54.) und zur erneuten Führung für seine Farben einschoss. Danach schaltete der VfB Germania nicht etwa in einen Verwaltungsmodus, sondern setzte weitere offensive Akzente, auch wenn nicht immer Hochkaräter dabei heraus sprangen. Zudem musste vorsichtshalber Edhem Hujdurovic aus der Zentrale genommen werden (Gelb-Rot gefährdet), Vinicius Sandri übernahm seinen Part. „Hacke“ trat einen wuchtigen Freistoß (69.), den Poser stark zur Ecke lenkte. Dann aber war der Schlussmann der Altmärker geschlagen, als er selbst unsauber eröffnete und die vordere Reihe des VfB Germania die Kugel eroberte. Zunächst übernahm niemand Verantwortung, wurde der Ball von einem zum anderen geschoben, schließlich von Hackethal auf Klaschka, der in Stürmermanier diese Chance nutzte (73.) und auf 3:1 stellte. Ein Kopfball von Grzega (78.) und ein Schuss von Ertmer aus der Distanz (85.) hätten weiteren Ertrag bringen können, waren aber nicht genau genug platziert. Als Tim Haubenschild, Leiter eines sehr klar und umsichtig agierenden Schiedsrichterteams, nach 90+4 Minuten das Schlussignal blies, hatte es für die Halberstädter aber auch so zu einem seriös erarbeiteten und damit verdienten Sieg gereicht.

 

Das Trainerteam darf nun analysieren, welche Ursachen die zwischenzeitliche Lethargie hatte, mit der die Halberstädter das Spiel phasenweise aus der Hand gegeben hatten.  Am Ende dieses Tages zeigte sich Manuel Rost zumindest mit der Reaktion darauf, die sein Team im zweiten Durchgang gezeigt hatte, sehr einverstanden.