Fußball Oberliga: ... Erste mit Punkt vor 770 Zuschauern

Harzkreisderby endet wie im Hinspiel unentschieden

 

NOFV-OL Süd: FC Einheit Wernigerode – VfB Germania Halberstadt 2:2 (0:0)

 

(von Bernd Waldow)

 

Für den VfB Germania bedeutete die vorgezogene Ansetzung das fünfte Spiel innerhalb von 19 Tagen, darunter vier Auswärtsduelle. Manches Klischee wurde bedient, zum Beispiel die gern genutzte Aussage, die Mannschaft würde sich quasi von alleine aufstellen, denn Manuel Rost fehlt nach wie vor rund ein halbes Dutzend Stammspieler aus Verletzungsgründen. Den physischen und psychischen Verschleiß am Gründonnerstag noch einmal mit starkem Willen zu überlisten, darin bestand die Herausforderung für seine Akteure, bevor es in ein freies Osterwochenende gehen würde, um das dringend notwendige Aufladen der persönlichen Akkus endlich zu ermöglichen. Nun, die Halberstädter gingen daraufhin nicht von Beginn an „All In“, genau wie Wernigerode. So begann eine längere Phase des vorsichtigen Abtastens, wobei jeweils eine nennenswerte Torannäherung heraus sprang, die Gregor Schlichting (9.) für den Gastgeber und Davis Boateng (10.) für die Domstädter erarbeiteten. Erst Mitte der ersten Halbzeit die erste Szene mit wirklich erhöhtem Puls (25.), als nach einer Eingabe von Pascal Hackethal Joel Klaschka per Kopf Pascal Sparwasser zu einer Glanztat zwang, der die Kugel noch an den Pfosten lenken konnte. In der Zweitverwertung aus Nahdistanz scheiterten dann gleich mehrere Halberstädter, weil sich etliche Spieler der Platzmannschaft in die Schüsse warfen und gemeinsam zur Ecke klären konnten - die beste Möglichkeit vor der Pause überhaupt. Auf der anderen Seite fehlten den Abschlüssen von Nyger Hunter (28./ vorbei) und Schlichting (35./ bekommt den Ball nicht unter Kontrolle) die nötige Präzision. So ging es in einem Spiel, das – ähnlich dem Hinspiel – mehr als 700 Zuschauer sahen,  torlos in die Kabinen. Der Unterschied: In der Hinrunde traf man sich am Wochenende, diesmal am Donnerstag um 17.15 Uhr, was die organisierte Fanszene der Halberstädter aus Protest veranlasste, ihre Mannschaft nicht durch einen Vor-Ort-Support zu unterstützen. Stattdessen sahen diesmal mehr Familien das Derby, die frühe Anstoßzeit eher familienfreundlich und somit auch für begeisterte Kinder kein Problem.

 

Gleich nach dem Seitenwechsel loderte das Derby-Fieber für einen Moment auf: Einen Distanzschuss von Jannis Lisowski konnte Fabian Guderitz zwar abwehren (48.), doch in der Zweitverwertung siegte Benjamin St. Louis, der die Kugel über die Linie drückte.

 

Jetzt war der VfB Germania gefordert und lieferte prompt die sehenswerte Antwort. Eine Demonstration des Willens durch Joel Klaschka, der aus dem Lauf aus gut zwanzig Metern das Spielgerät rechts oben in den Knick katapultierte (50.) und nur zwei Zeigerumdrehungen nach dem Rückstand auf 1:1 stellte. Anschließend wieder eine etwas ruhigere Viertelstunde, lediglich Paul Grzega versuchte den Abschluss (56.), kam aber an Sparwasser nicht vorbei.

 

Es war eine mustergültige Hackethal-Szene, die das Spiel urplötzlich wieder scharf stellte. Sein Heber über die letzte Kette der Hasseröder (66.) brachte Boateng in Position, dessen Schuss Sparwasser noch parieren konnte, doch den folgenden Volley von Klaschka konnte niemand auf dem Weg von der Strafraumgrenze ins rechte obere Eck aufhalten. Da war sie, die Gäste-Führung. Doch auch die Heimmannschaft brauchte nur zwei Minuten

 

, um den Rückstand zu egalisieren. Hunter mit genauem Zuspiel auf Niclas Treu (68.), der Guderitz zum 2:2 überwinden konnte. Danach schienen beide Teams wieder etwas mit den Kräften zu haushalten, setzten auf eine sichere Verteidigung, aus der nur noch sporadisch Akzente nach vorn gesetzt wurden. Hunter traf noch einmal neben das Tor (80.), während der gerade eingewechselte Paul Kühnhardt nach schönem Diagonalpass in Szene gebracht wurde, aber kurz vor Ultimo (88.) auch an Sparwasser, der zur Ecke abwehren konnte, nicht vorbei kam. So hat Einheit Wernigerode auch im dritten Anlauf der Saison keinen Derbysieg einfahren können, blieb immerhin aber auch zweimal in der Liga ungeschlagen, kassierte lediglich im Pokal das Aus beim 3:1-Heimsieg der Halberstädter. Für den VfB Germania ist das Resultat sicherlich zu verkraften, das Team hat bis zum letzten Tropfen alle Kraftreserven aufgebraucht, um dem engen Spielrhythmus mit dem dezimierten Kader zu trotzen. Nach der hoffentlich erfolgreichen Regeneration wartet am Wochenende nach Ostern endlich wieder ein Heimspiel, zu Gast wird Union Sandersdorf sein.